29. Juni 2012
Familie Klimaschutz

Sag mal, Dominic…

Blöchingers in der Nahaufnahme – Familie Klimaschutz steht in Einzelinterviews Rede und Antwort. Folge 3: Dominic, 19, Abiturient.

Welche Erfahrungen hast du im ersten halben Jahr als Junior der Familie Klimaschutz gemacht?

Wirklich einschneidend hat sich seitdem nichts verändert. Das liegt vor allem daran, dass in unserer Familie bereits über Energiesparen und Klimaschutz gesprochen und entsprechend gehandelt wurde, als wir noch nicht Familie Klimaschutz waren.

Wie waren die Reaktionen in der Schule, im Verein und im Freundeskreis auf eure Rolle als Familie Klimaschutz?

Mit jeder Veröffentlichung wuchs die Zahl derer, die mich darauf ansprachen. Die ersten waren die Lehrer in der Schule. Sie wollten wissen, was sich bei uns zu Hause verändert. Auch in meiner Tanzgruppe Mann-o-Mann wurde Familie Klimaschutz sehr schnell zum Thema. Inzwischen wissen es auch die Nachbarn – nicht nur die aus dem direkten Umfeld, sondern viele Finther, die mich auf der Straße oder im Supermarkt ansprechen.

Welche Erwartungen hattest du persönlich an das Projekt Familie Klimaschutz?

Wir werden, dachte ich, jetzt noch häufiger als vorher darüber reden, wie und wo wir im Haushalt Energie einsparen können. Sehr schnell habe ich dann auch realisiert, dass es ein echter Joker war, der da gezogen wurde: Die ENTEGA-Experten verraten uns nämlich nicht nur jede Menge Tipps und Tricks, sondern sie setzen auch um, was wir uns so nicht hätten leisten können: die komplette energetische Sanierung unseres Hauses mit neuer Heizung, neuen Fenster und Dämmung auf den Außenwänden.

Wie sehr hat dich das Thema Energiesparen vor der Aktion beschäftigt? Und was hat sich geändert?

Zu Hause und in der Schule hatten wir auch zuvor schon darüber gesprochen. In der Schule gab es die K.E.Sch.-AG, das bedeutet Klima- und Energieschutz. Wir haben darauf geachtet, dass die Heizung auf maximal 2 steht, die Fenster geschlossen und die Lichter gelöscht werden, wenn wir den Klassenraum verlassen. Am Ende des Schuljahres wurde ein Ranking erstellt, welche Klasse am meisten Energie gespart hat. Meine Klasse hat dreimal gewonnen. Zuhause bin ich seit der Wahl zur Familie Klimaschutz noch einen Schritt weiter. Zum Beispiel nehme ich elektronische Geräte, die vorher stundenlang Stand-by waren, mittlerweile konsequent vom Netz.

In welchen Fächern habt ihr in der Schule den Klimawandel behandelt?

Das Thema zog sich durch alle Jahrgangsstufen von der fünften Klasse bis zum Abitur. Anfangs waren es unsere Tutoren, die uns sensibilisierten, wie man im Alltag Energie einsparen kann. Später wurde vieles in Gesellschaftslehre und Physik besprochen. Wir haben z.B. intensiv über erneuerbare Energie diskutiert. In einer Facharbeit in Physik beschäftigte ich mich mit „Fusionskraft – Fusionskraftwerk“. So wuchs mein Kenntnisstand in Sachen Klimaschutz ständig. Das Thema hat mich bis zum Abitur begleitet – und wird es sicherlich mein Leben lang.

Welche Erkenntnis hat dich bisher am meisten überrascht?

Da fallen mir sofort Energiesparlampen ein. Lange Zeit dachte ich, sie seien unpraktisch, weil sie zu langsam hell werden. Inzwischen haben wir bei uns zu Hause Modelle in Gebrauch, bei denen man keinen Unterschied mehr zur herkömmlichen Glühbirne feststellt – außer auf der Stromrechnung. Da sieht man die positiven Wirkungen seines umweltgerechten Verhaltens sofort: Es kostet weniger.

Berichten die Medien deiner Einschätzung nach ausreichend und ausgewogen?

Das mag ich so pauschal nicht beantworten. Es gibt Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, deren Information ich sehr schätze. Unsere Tageszeitung in Mainz-Finthen gehört dazu. Dort werden Themen wie Energiesparen und Klimaschutz seit vielen Jahren immer wieder aufgegriffen und unter verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Gleiches gilt für einen Großteil der Fernsehsendungen, die ich mir zu dem Themenkomplex anschaue. Ich schätze es besonders, wenn sie komplizierte Sachverhalte so aufschlüsseln, dass man sie sofort versteht, und komplexe Zusammenhänge auf wesentliche Kriterien komprimieren. Nur wenn man das Gefühl hat, dass – und wie – man ganz konkret etwas zur Verbesserung beitragen kann, wird man sein Verhalten ändern. Und dass wir unser Verhalten ändern müssen, daran zweifelt wohl selbst der kühnste Klima-Optimist nicht.

Gibt es in den Vereinen, in denen deine Familie aktiv ist, konkrete Bemühungen, CO2 einzusparen?

Auch im Verein stelle ich kleine Veränderungen fest. So bilden wir inzwischen noch häufiger als zuvor Fahrgemeinschaften, wenn unsere Tanzgruppe irgendwo auftritt. Da kommen dann gleich drei positive Faktoren zusammen: Geld sparen, Energie sparen und das Zusammengehörigkeitsgefühl steigern – besser geht’s nicht, oder?

Woran könnte es liegen, wenn Klimaschutz im Alltag scheitert: an Unwissenheit, an Kosten, an Gewohnheiten oder Bequemlichkeit?

Meist ist es wohl Gewohnheit, verbunden mit zu wenig Information. Nehmen wir mal das Duschen: Mal ehrlich, wer dreht das Wasser ab, wenn er sich einseift? Obwohl man doch weiß, dass man dabei einiges einsparen kann. Ähnliches gilt für andere kleine Dinge des täglichen Lebens: Zähneputzen bei fließendem Wasser, Kühlschrank öffnen, Fenster schließen. Erst wenn jedem klar wird, dass auch Kleinvieh Mist macht, werden wir gemeinsam größere Veränderungen erreichen.

Wie reagieren deine Freunde: Ist Klimaschutz cool oder wird man als Spaßbremse abgestempelt, wenn man sich für die Umwelt engagiert?

Kritisiert oder gar belächelt hat mich keiner meiner Kameraden, weil ich mich klimafreundlicher verhalte als andere. Aufs sprichwörtliche Podest gehoben hat mich aber auch noch keiner. Die Realität liegt wie so oft in der Mitte: Manche finden es richtig klasse, dass wir Familie Klimaschutz sind, andere haben es noch immer nicht realisiert. In Gesprächen mit Freunden spüre ich aber, dass einige von ihnen stärker sensibilisiert sind als zuvor – und dies auch offen weitersagen.

Achtest du beim Einkaufen auf Langlebigkeit oder die Produktionsbedingungen, zum Beispiel bei Kleidung, Schuhen, Elektronik und anderen Dingen?

Ich war noch nie jemand, der seine Klamotten nach Markennamen gekauft hat; das war es mir einfach nicht wert. Andererseits gucke ich jetzt schon mal hin, ob ein Shirt oder eine Hose besonders hohe Qualität hat und eventuell ein Ökosiegel trägt. Manchmal frage ich auch danach, wo das Kleidungsstück hergestellt wurde. Bei Lebensmitteln gilt für meine Familie schon seit Jahren: Wir essen, was gerade wächst; und nicht, was über Tausende von Kilometern rangekarrt werden muss. Eines allerdings ist für mich klar: Auf Fleisch möchte ich nicht ganz verzichten, selbst wenn bei seiner Produktion viel Wasser, Energie und Futterstoffe verbraucht werden. Die vegetarische Woche im Frühjahr war interessant, aber für mich auch quälend lang – ich verspürte ständig Hunger.

Hast du dir schon mal ganz bewusst etwas „second-hand“ gekauft, was du auch neuwertig bekommen hättest?

Schon öfter. Mein PC zum Beispiel ist das Geschenk eines Freundes, der ihn ausgemustert hat. Ich habe ihn mit passenden Elementen ordentlich aufgerüstet und besitze jetzt eine Mühle, die locker mit deutlich teureren PC’s mithalten kann. Gleiches gilt für meine Inline-Skates – auch die sind gebraucht gekauft. Damit konnte ich einerseits Geld sparen, andererseits aber auch die Umwelt ein bisschen entlasten.

Hast du die Auswirkungen des Klimawandels schon mal persönlich erlebt oder gesehen?

Jeder von uns hat schon mal irgendwie gemerkt, dass sich unser Wetter ändert: die Sommer werden immer wärmer, selbst wenn wir glauben, sie seien schlecht. Und die Winter werden zunehmend feuchter, während es im Sommer immer seltener regnet. Und wenn der Himmel dann mal seine Schleusen öffnet, rauscht der Regen oft wolkenbruchartig auf uns nieder. Wir alle haben das Gefühl, dass sich die Welt dreht – und zwar wesentlich schneller, als sie es in früheren Jahrhunderten tat. Auch da gab es häufiger Wechsel von Eis- und Warmzeiten, und auch da musste die Erde große Katastrophen verkraften. Aber so turbulent wie in unseren Tagen war es wohl noch nie.

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