Energiemarkt aktuell

Informationen zur aktuellen Energiemarktsituation.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat rein vorsorglich die Frühwarnstufe des dreistufigen Notfallplans Gas ausgerufen. Dies ist eine verantwortungsvolle Krisenvorsorge, um für den Fall einer Eskalation seitens Russlands gewappnet zu sein. Viele unserer Kundinnen und Kunden sind beunruhigt. Aus diesem Grund kommt es durch ein erhöhtes Aufkommen von Anrufen zu längeren Wartezeiten an unseren Hotlines.

Wir haben Ihnen auf dieser Seite die Fragen zusammengestellt, die unsere Kundinnen und Kunden im Kontext der aktuellen Energiemarktentwicklungen am häufigsten an uns richten.

Fragen zur Versorgungssicherheit

Ist die Energieversorgung in Deutschland gefährdet?

Die Gasversorgung ist derzeit gesichert. Es geht auf den Sommer zu und die Gasspeicher sind über ein Viertel gefüllt. Privathaushalte, aber z. B. auch Krankenhäuser, soziale Dienste, Polizei und Feuerwehr genießen im Falle eines Engpasses einen besonderen Schutz. Zurückstehen müssten dann bestimmte Industriezweige. Als Folge des Krieges in der Ukraine werden aber dauerhaft höhere Energiepreise erwartet.

Was bedeutet die Frühwarnstufe?

Es ist die erste Stufe im Notfallplan Gas der Bundesrepublik Deutschland. Frühwarnstufe bedeutet: Es liegen konkrete, ernstzunehmende und zuverlässige Hinweise vor, dass ein Ereignis eintreten kann, welches wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. Jetzt ist ein Krisenteam zusammengetreten, das die Versorgungslage ständig analysiert und bewertet, um ggf. weitere geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Was ist der Notfallplan Gas?

Der Notfallplan Gas gilt für Deutschland insgesamt und ist mit der Europäischen Union koordiniert. Er regelt das Vorgehen in Deutschland, wenn sich die Versorgungslage massiv zu verschlechtern droht. Ab einer bestimmten Situation greift der Staat in das Marktgeschehen ein, um die Gasversorgung so lange wie möglich zu sichern und bestimmte Verbrauchergruppen besonders zu schützen.

Welche weiteren Maßnahmen sieht der Notfallplan vor?

Nach der Frühwarnstufe kann die Alarmstufe ausgerufen werden. Voraussetzung dafür ist eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas, die zu einer erheblich verschlechterten Gasversorgungslage führt, aber durch den Markt geregelt werden kann.

Schließlich könnte drittens die Notfallstufe eintreten. Dies ist der Fall, wenn es eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas, eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder es eine andere beträchtliche Verschlechterung der Versorgungslage gibt, die nicht länger allein durch den Markt gelöst werden kann. Dann wird die Gasversorgung durch die Bundesnetzagentur (Bundeslastverteiler) oder die Bundesländer (Lastverteiler) mit staatlichen Maßnahmen sichergestellt. Ziel ist es, den lebenswichtigen Bedarf an Gas unter besonderer Berücksichtigung der geschützten Kunden zu sichern und Folgeschäden zu minimieren.

Was können Verbraucher im Moment tun?

Gehen Sie bitte verantwortungsvoll mit Ihrem Gas um und reduzieren Sie Ihren Verbrauch dort, wo eben möglich. Insbesondere Heizenergie bietet Sparpotential.

Ein solidarisches Miteinander ist ebenfalls ein wichtiger Baustein zur Vermeidung einer weiteren Eskalation.
 

Wie sehen Alternativen aus, um Deutschland sicher mit Erdgas zu versorgen?

Europa kann auf einen breiten Liefermix bauen: Erdgas kommt gewissermaßen aus allen Himmelsrichtungen nach Europa und somit auch nach Deutschland. Hinzu kommt die sehr gute Gasspeicher-Infrastruktur insbesondere in Deutschland sowie das europäische Gas-Verbundnetz, das den innereuropäischen Gas-Austausch ermöglicht und in den vergangenen Jahren immer stärker ausgebaut worden ist.

Aktuell kommt auch verstärkt Flüssigerdgas (LNG) via Großtanker aus den USA. In gewissem Umfang besteht die Möglichkeit, zusätzliche Flüssigerdgas-Mengen zu beziehen. Die derzeit größten LNG-Anbieter sind Katar, Australien und auch die USA. Insbesondere dort sind viele Produzenten in der Lage, ihre Angebotsmenge kurzfristig auszuweiten, um auf Nachfrageschwankungen zu reagieren.

Mittelfristig werden nicht zuletzt der massive Ausbau Erneuerbarer Energien, eine diversere Lieferstruktur und der Hochlauf von Wasserstoff bedeutsam für eine diversifizierte Versorgungssicherheit.

Kann die Versorgung mit Erdgas ohne Lieferungen aus Russland im nächsten Winter gesichert werden?

Die Energiewirtschaft beobachtet die Situation sehr genau und ist in ständigem Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium, um die Lage zu analysieren. Je besser wir die Gasversorgung diversifizieren können, desto besser können wir uns auf die Situation vorbereiten. Für einen Wegfall der Importe brauchen wir zusätzliche Strukturen und den starken europäischen Verbund.

Was heißt das für die Preise?

Energiepreise sind von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Daher machen wir zur Entwicklung der Preise grundsätzlich keine Prognosen. Aber natürlich ist der Konflikt in der Ukraine, insbesondere dann, wenn hierdurch weniger Gas aus Russland geliefert würde, ein Faktor, der den Gaspreis beeinflussen und erhöhen wird.

Fragen zur Entwicklung der Energiepreise

Warum erhöht sich der Strompreis?

Trotz der EEG-Entlastung zum 1. Juli 2022 veranlassen uns derzeit insbesondere die sehr hohen Börsenpreise für die Energiebeschaffung, die Strompreise zu erhöhen. Wie Sie ggf. über die Medien wahrgenommen haben, ist das Preisniveau an den Strombörsen weiterhin sehr hoch. Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2021 sind die Strompreise bei der langfristigen Beschaffung um über 300 Prozent gestiegen. Infolge des Ukraine-Krieges erreichten die Strompreise im Großhandelsmarkt Anfang März einen Höchststand im Jahr 2022.

Weshalb wird auch Erdgas künftig teurer?

Zurzeit sind wir insbesondere aufgrund der sehr hohen Börsenpreise für die Energiebeschaffung im Gas-Großhandel gezwungen, die Gaspreise zu erhöhen. Am Terminmarkt, der eine langfristige Beschaffung ermöglicht, haben sich die Preise zwischen Januar und Dezember 2021 mehr als verfünffacht. Das hohe Preisniveau setzt sich auch im Jahr 2022 insbesondere aufgrund des Angriffs Russlands auf die Ukraine fort. Daneben führt die Erholung der weltweiten Konjunktur nach der Pandemie zu einer steigenden Energienachfrage und lässt die Preise international steigen. Auch die im Vergleich zu den Vorjahren niedrigen Füllstände der Gasspeicher aufgrund des langen und kalten Winters begründen den Preisanstieg.

Neben den Großhandelspreisen wirkt der staatliche festgelegte CO2-Preis preissteigernd. Mit dem CO2-Preis verpflichtet der Gesetzgeber ENTEGA, für ihr verbrauchtes Erdgas CO2-Zertifikate zu erwerben. Die Preise für die CO2-Zertifikate sind gesetzlich festgelegt und erhöhen sich jährlich. Die Bundesregierung erhofft sich durch den CO2-Preis Anreize für ein umweltschonenderes Verhalten bei den Verbrauchern.

Was bedeutet das für unsere Bestandskundentarife?

Die Beschaffungskosten für Energie haben sich drastisch erhöht und selbstverständlich auch Einfluss auf die Kalkulation unserer Tarife. Dabei werden zum Zeitpunkt der Preiskalkulation sinkende und steigende Preisbestandteile insgesamt geprüft und verrechnet. Es wird sich jedoch trotz der EEG-Entlastung zum 1. Juli 2022 voraussichtlich nicht vermeiden lassen, diesen Anstieg in Teilen auch an unsere Endkunden weiterzugeben.

Die EEG-Umlage entfällt ab Juli 2022. Wird das bei der Preisbildung berücksichtigt?

Die EEG-Entlastung zum 1. Juli 2022 wird bei der Preisbildung einkalkuliert. Jedoch ist die EEG-Umlage nur ein Bestandteil des Strompreises. Dieser setzt sich aus einer Vielzahl weiterer Kosten zusammen: Staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen, Netzentgelte, Entgelte für den Messstellenbetrieb (inklusive Messung) sowie Beschaffungs- und Vertriebskosten. Gleichwohl wir die EEG-Entlastung in vollem Umfang bei der Preiskalkulation berücksichtigen, können dadurch die deutlich gestiegenen Kosten für die Strombeschaffung nicht ausgeglichen werden.