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Kohleausstieg: Alles, was Sie wissen müssen.

Alle reden vom Kohleausstieg. Doch was spricht dafür, was dagegen? Ist ein Kohleausstieg in Deutschland möglich? Und wie ist der aktuelle Stand? Hier erfahren Sie es.

Kohleausstieg

Kohleausstieg – Pro und Contra.

Kohleausstieg: warum überhaupt?

Deutschland hat sich zum Klimaschutzziel gesetzt, die Emissionen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 85 % gegenüber den Werten von 1990 zu reduzieren. Das ist nach Expertenmeinung nur mit einem weitreichenden Kohleausstieg möglich. Auch das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 erfordert das. Darin haben sich die Unterzeichner vollständig von der Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle verabschiedet. Ziel ist es, die Erderwärmung auf mindestens zwei, wenn nicht sogar anderthalb Grad einzugrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste Deutschland in seiner Vorreiterrolle für den Klimaschutz den geplanten Kohleausstieg bis 2030 vollständig umsetzen. Doch es sind nicht nur die Klimaschutzziele allein, die für einen raschen Ausstieg sprechen.

Warum schadet Kohlestrom dem Klima?

Schon lange wird von der Energiewende gesprochen, doch noch immer sind knapp 42 % des deutschen Stroms Kohlestrom. Kohlestrom ist deshalb so schlecht fürs Klima, weil die Energie im Verbrennungsprozess von Kohle nahezu nur aus Kohlenstoff gewonnen wird. Im Verbrennungsprozess wird daraus Kohlendioxid, also CO2. Braunkohle als fossiler Energieträger stößt pro Kilowattstunde rund 1.150 Gramm CO2 aus, Steinkohle rund 900 Gramm. Zum Vergleich: Bei Erdgas sind es nur noch 300 Gramm, denn hier entsteht bei der Verbrennung neben Kohlendioxid auch Wasser. Erdgas gibt es sogar als klimafreundliches Ökogas. Bei ENTEGA kompensieren wir das CO2, das bei Gewinnung, Transport und Verbrauch von Gas entsteht, in mindestens derselben Höhe durch Waldschutzprojekte.

Wie schaden Kohlekraftwerke der Umwelt?

Kohlestrom ist nicht nur schlecht fürs Klima, er schadet auch der Umwelt. Bei seiner Gewinnung wird massiv in die Landschaft eingegriffen. So wurden allein durch den Braunkohletagebau im Rheinland bis Ende 2015 über 32.000 Hektar Land vom Tagebau zerstört. Zwar wurden inzwischen zwei Drittel davon wieder nutzbar gemacht, doch kann eine Rekultivierung den Verlust von Tier- und Pflanzenarten oder ganzer, teils uralter Biotope wie den Hambacher Forst nicht wettmachen. Außerdem verbrauchen Bergbau-Unternehmen sehr viel Grundwasser, das wir besser für die Trinkwasserversorgung in Deutschland nutzen sollten.

Warum ist Kohlestrom für Menschen schädlich?

Kohlekraftwerke belasten unsere Luft massiv mit Feinstaub und Schwermetallen. So pusten deutsche Kohlekraftwerke jedes Jahr allein über 5.000 Kilogramm Quecksilber in die Luft. Quecksilber schädigt die Entwicklung des zentralen Nervensystems und damit die geistige Entwicklung. Für Kinder und Embryos ist es besonders schädlich. Quecksilber aus deutschen Kohlekraftwerk-Schloten gelangt zum Beispiel über die Atmosphäre bis in die Arktis – und findet dann über Speisefische in unseren Körper, wo es sich nicht abbauen lässt. Welche gesundheitlichen Folgen Kohlestrom für den Menschen hat, zeigt eine Studie der Health and Environment Alliance (HEAL) aus dem Jahr 2013. Sie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Kohleausstieg Deutschland

Ist Stromversorgung ohne Kohlestrom sicher?

Als Argument für ein schnelles Abschalten der rund 20 ältesten Kohlekraftwerke Deutschlands wird angeführt, dass die Stromversorgung dann nicht mehr sicher sei. So argumentieren auch die großen Parteien CDU, CSU und FDP, die eigenen Aussagen zufolge um die Versorgungssicherheit in Deutschland fürchten. Experten halten derartige Sorgen jedoch für unbegründet. So hat die Denkfabrik Agora Energiewende Netzbetreiberdaten analysiert. Demzufolge ist eine Stromversorgung deutschlandweit jederzeit gesichert, selbst wenn die 20 ältesten Kohlekraftwerke abgeschaltet würden. Und das sogar an Tagen mit erhöhtem Strombedarf, an denen weder die Sonne scheint noch Wind weht, wenn also keine Solar- oder Windenergie gewonnen werden kann.

Zum einen, so die Experten, gäbe es in Deutschland genug Gaskraftwerke, die derzeit nicht genutzt werden und die einspringen könnten, solange der Ausbau erneuerbarer Energien noch nicht so weit vorangeschritten ist, dass sie den Kohleausstieg kompensieren können. Gaskraftwerke emittieren nur rund ein Drittel der schädlichen Treibhausgase. Langfristig ließe sich die Versorgungssicherheit dann auf vielfältige Weise lösen: zum Beispiel durch einen Überhang an Solarkraft oder Windparks, durch smarte Verbrauchssteuerung, innovative Speicherlösungen, globale Vernetzung oder Verbesserungen der Energieeffizienz.

Zum anderen produzieren die deutschen Kohlekraftwerke weit mehr Strom, als wir verbrauchen können: Fast 10 % des Kohlestroms wird ins Ausland exportiert. Ein Grund hierfür ist, dass vor allem Braunkohlekraftwerke selbst dann nicht heruntergeregelt wurden, als Solar- und Windanlagen im Zuge der Energiewende deutlich mehr Strom produziert haben. Wir stellen also enorme Überschüsse an Kohlestrom her, der ins Ausland exportiert werden muss und der nach einer Abschaltung niemandem fehlen würde.

Ist der Kohleausstieg nicht teuer?

Zunächst einmal klingt das so, denn Braunkohlestrom ist billig. Aber so einfach ist es nicht. Denn durch ihren Ausbau werden erneuerbare Energien immer günstiger. Experten gehen davon aus, dass die EEG-Umlage schon in wenigen Jahren deutlich sinken wird. Einer aktuellen Studie der Analysten von Energy-Brainpool zufolge hätte ein Kohleausstieg außerdem keinerlei Auswirkungen auf die Strompreise. Danach steigen die Preise mit oder ohne Kohleausstieg bis 2030 an, um danach wieder zu sinken. Die Studie steht hier zum Download bereit. Es ist aus Sicht der Strompreise also gleich, ob der Kohleausstieg kommt oder nicht.

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Machen dann nicht andere den Kohlestrom?

Ein Kohleausstieg würde nicht nur die deutsche Klimabilanz verbessern, es spricht auch einiges dafür, dass dadurch keine Stromlücke entstehen würde, die von anderen Ländern ausgefüllt werden müsste. So sind die Kraftwerke Polens, des zweiten großen europäischen Kohlestrom-Erzeugers, bereits jetzt ausgelastet. Experten gehen eher davon aus, dass zunächst Gaskraftwerke wie die in den Niederlanden oder Österreich mögliche europaweite Lücken schließen werden, die bisher wegen des billigeren deutschen Kohlestroms am Markt geringen Anteil haben.

Anforderungen an den Ausstieg.

Wie schnell muss Deutschland aussteigen?

Hier kommt eine Studie des thinktanks „ClimateAnalytics“ im Auftrag der dänischen KR-Umweltstiftung zu einem klaren Ergebnis: Will Deutschland die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 erfüllen, müssten bis Ende 2018 bereits ein Dutzend Kraftwerke stillgelegt werden. Bis 2030 müssten alle Kraftwerke vom Netz gehen. Damit wäre der Kohleausstieg in Deutschland in der Hälfte der Zeit zu bewerkstelligen, die von der Bundesregierung aktuell dafür vorgesehen ist.

Was spricht gegen den schnellen Ausstieg?

Politisch und wirtschaftlich kommt nun zum Tragen, dass Deutschland immer noch am Kohlestrom festhält und in den letzten Jahren weiter in Kohlestrom investiert hat. Folge ist, dass verhältnismäßig junge Kohlekraftwerke wie das in Moorburg bei Hamburg oder im nordrhein-westfälischen Datteln abgeschaltet werden müssen, bevor sie ihre Investitionen wieder eingespielt haben.

Wie könnte ein Ausstieg aussehen?

Die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende hat hierzu bereits 2016 einen Fahrplan vorgelegt, der breit diskutiert wurde. Ziel ist es danach, sowohl die Klimaschutzziele einzuhalten als auch die Versorgung mit günstigem Strom zu sichern. Dazu sollen ab 2018 jährlich drei oder vier Kraftwerke abgeschaltet werden. Neue Kraftwerke oder Tagebaue dürften nicht dazukommen. 2040 wäre der Kohleausstieg dann komplett. Um den Ausstieg so günstig wie möglich zu gestalten, sollen zuerst die ältesten Kraftwerke abgeschaltet werden. Das gäbe Betreibern Planungssicherheit bis 2040 für jüngere Kraftwerke.

Was ist mit den betroffenen Regionen?

Ohne Zweifel bedeutet ein Kohleausstieg für die betroffenen Regionen einen enormen strukturellen Wandel. Er muss daher politisch begleitet werden, um diesen Regionen neue Perspektiven zu bieten. Im Gespräch sind finanzielle Fördermittel und spezielle strukturpolitische Fonds zur Unterstützung dieser Regionen, in die Energieversorger pro kWh Braunkohlestrom einen bestimmten Betrag einzahlen. Für die Lausitz und das rheinische Braunkohlerevier gibt es darüber hinaus bereits konkrete Ansätze. So zeigt eine Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) für die Lausitz , dass die Energiewende Potenzial u. a. für Arbeitsplätze und zukunftsweisende Projekte bietet. Die derzeit größte solarthermische Anlage Deutschlands steht inzwischen in Senftenberg, im ehemaligen Zentrum des Lausitzer Kohlebergbaus.

Während also Investitionen in Kohlekraftwerke die Energiewende hinauszögern, bietet der Ausbau von Anlagen erneuerbarer Energien Arbeitsplätze mit Zukunftspotenzial. Hinzu kommt, dass dieser Strukturwandel auch ohne den Kohleausstieg bereits in vollem Gange ist. Einer Studie von Arepo Consult zufolge hängt nur noch maximal ein Prozent der Beschäftigten in den betroffenen Bundesländern an Jobs, die vom Kohleausstieg unmittelbar betroffen wären.

Kohleausstieg aktuell

Kohleausstieg aktuell.

Der Status quo in Deutschland.

Der Kohleausstieg hängt stark von einer neuen Regierungsbildung ab. Dabei stehen derzeit sogar Selbstverständlichkeiten auf dem Prüfstand wie die Klimaziele für die nächsten Jahrzehnte. So war im Rahmen der „Jamaika-Sondierungen“ nicht einmal klar, ob die neue Regierung daran festhält, bis 2020 mindestens 40 % weniger CO2 zu produzieren als 1990. Die SPD hält zwar an einem kompletten Ausstieg bis 2050 fest, sagt aber nicht, wie das bis dahin gelingen soll. Die Grünen wollen die 20 größten Dreckschleudern unter den Kohlekraftwerken sofort abschalten und den Kohleausstieg bereits bis 2030 gemeistert haben. Die Union hat vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zum Ziel erklärt und will zwar raus aus der Kohle, aber langfristig und mit Augenmerk in erster Linie den strukturellen Umbruch in den betroffenen Regionen sichern. Die FDP warnt vor „unnötigen Markteingriffen“ und stellt die aktuellen deutschen Zielvorgaben infrage.

Der Kohleausstieg international.

Der komplette Kohleausstieg zum Ende des Jahrhunderts wurde seitens der Industrieländer beim G7-Gipfel 2015 vereinbart. 2017 kündigte Eurelectric, ein Verband von 3.500 europäischen Energieversorgern, an, dass diese sich freiwillig dazu verpflichten, ab 2020 keine neuen Kohlekraftwerke in der EU zu bauen (mit Ausnahme von Polen und Griechenland). Zuletzt präsentierte sich auf der UN-Klimakonferenz im November 2017 die internationale Initiative „Global Alliance to Power Past Coal“. Ihr gehören derzeit rund 20 Staaten an, darunter Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Mexiko. Ziel der Initiative ist es, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu reduzieren. Das hieße, Deutschland müsste bis 2030 aus der Kohle aussteigen.

Frankreich plant den kompletten Ausstieg schon 2021, die Niederlande laut Koalitionsvertrag 2030 (wobei drei der fünf niederländischen Kraftwerke erst kürzlich in Betrieb genommen wurden). Großbritannien hat sein letztes Kohlebergwerk bereits 2015 geschlossen, die zwölf Kohlekraftwerke sollen bis 2015 folgen. In China soll der Anteil von Kohle am Energieverbrauch bis 2030 von 66,6 % auf unter 50 % fallen. Eine Folge insbesondere des „Verschmutzungsschocks“ von 2013, als rund 1,6 Millionen Menschen infolge von Smog und Feinstaubbelastung starben.

MIT ZERTIFIZIERTEM ÖKOSTROM DAS KLIMA SCHONEN.

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Die Alternativen.

Ökostrom: Klimafreundlich, günstig.

Der Kohleausstieg ist machbar, denn es gibt bereits heute Alternativen, die klimaschonend, umweltfreundlich, gesundheitlich unbedenklich und noch dazu oft günstiger sind als herkömmlicher Strom. Schon heute liefern erneuerbare Energien wie Solarenergie, Wind- oder Wasserkraft nahezu jede dritte kWh Strom und decken damit rund 32 % des deutschen Strombedarfs. Echter Ökostrom stammt also aus Quellen, die unbegrenzt verfügbar sind und produziert in der Herstellung weder Abfälle (wie bei Atomstrom) oder klimaschädliche CO2-Emissionen wie Kohlestrom.
So ersparen allein die Ökostromkunden von ENTEGA zusammen dem Klima jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen CO2, davon 520.000 Tonnen aus unseren eigenen Anlagen. Mit weiteren Dienstleistungen wie dem Mieten von Heizungen und Solaranlagen, kostenlosen Energiespar-Beratungen sowie mit klimaneutralem Ökogas helfen wir zusätzlich, CO2 einzusparen. Schließlich sind unsere Tarife oft günstiger als herkömmlicher Strom, sodass Ökoenergie für immer mehr Menschen bezahlbar wird.

Kann Ökostrom Kohlestrom kompensieren?

Windräder, Solaranlagen und Wasserkraftwerke reichen nicht, um den Kohleausstieg zu kompensieren. Es braucht auch leistungsfähigere Stromnetze und Speicherlösungen für Zeiten, in denen kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Gleichzeitig müssen die schlechten alten Kraftwerke durch moderne Anlagen für erneuerbare Energien ersetzt werden. Hier haben unsere Kunden einen wichtigen Beitrag geleistet, denn dank ihnen konnten wir seit 2008 rund 850 Mio. Euro in regenerative Energien investieren. Dafür wurden wir vom TÜV Süd als „Wegbereiter der Energiewende” geehrt. Unsere Windenergieanlagen erzeugen Ökostrom, der für 230.000 Haushalte reicht.

Woran erkennt man echten Ökostrom?

Nicht alle Ökostromtarife liefern 100 % Ökostrom. Klimafreundlicher Ökostrom, der die Energiewende wirklich voranbringt, ist an Zertifikaten von unabhängigen Institutionen zu erkennen. Ökostrom von ENTEGA ist ok-power-zertifiziert. Damit ist garantiert, dass er aus regenerativen Quellen wie Wasser- oder Windkraft stammt und ohne CO2-Emissionen und ohne Atomstrom produziert wird.

Woraus wird Ökostrom gemacht?

Wind, Wasser und Sonne sind die wesentlichen Energieträger von Ökostrom. In Deutschland gibt es rund 7.300 Wasserkraftwerke, über 28.000 Windkraftanlagen und 1,58 Mio. Solaranlagen. Für unseren Ökostrom nutzen wir überwiegend Wasserkraft. Sie ist möglichst wetterunabhängig und garantiert eine stabile Versorgung.

Jetzt aus der Kohle aussteigen und zu Ökostrom wechseln .

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