28. April 2012
Familie Klimaschutz

Bewusster Konsum statt Verzicht

Das Zerrbild vom Sandalen tragenden Naturfreund mit Jutebeutel und Dinkelkeks hält sich hartnäckig. Jedoch: Heute hat Klimaschutz nichts mit Verzicht zu tun. Sondern mit bewusstem Konsum.

Auch wenn’s keiner gerne hört: Wir sind alle Konsumenten. Wir kaufen Produkte, Waren und Dienstleistungen. Täglich. Überall. Manche mehr, manche weniger. Doch alle sind wir Teil eines gigantischen Wirtschaftskreislaufes, der uns als Arbeitnehmer direkt oder indirekt Lohn und Brot beschert. Und der umso besser läuft, je mehr wir von dem verdienten Geld sofort wieder ausgeben. Für Kleidung, Handys, Möbel, Fernseher, Autos. Für den Frisör, die Tanzstunde, das Schwimmbad, den Opernbesuch. Ich kaufe, also bin ich, lautet die Devise unserer Generation. Ein Problem für das Klima, denn Konsumieren verursacht im Schnitt pro Person 4,85 t CO₂ pro Jahr – beinahe die Hälfte des persönlichen CO₂-Fußabdrucks. Durch die Rohstoffe und Herstellung der Waren, durch Transport und Verkauf, aber auch durch das Bereitstellen von Gebäuden und Personal, entstehen klimaschädliche Emissionen. Die CO₂-Bilanz beinhaltet einerseits Kohlendioxid durch öffentlichen Konsum – für Infrastruktur, Verwaltung, Justiz, Straßenbau, etc… – und andererseits 3,75 Tonnen CO₂ durch privaten Konsum – also allein durch die Kaufentscheidungen, die wir aus eigenen Stücken treffen.

Ist weniger mehr?

Wie sehen Lösungsstrategien aus? Natürlich könnte man damit anfangen, einfach weniger zu kaufen: Muss es wirklich ein dritter MP3-Player für den Zweitwagen sein? Der Flachbildschirm mit DVD-Player fürs Gästezimmer? Das zwölfte Paar Pumps in Hellrosa? Doch halt: Klimaschutz braucht Nachahmer. Als die gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit lebt die Energiewende wie kaum ein zweites Projekt vom Mitmachen. Verzicht und Askese zu predigen ist also keine Strategie, um die notwendige Masse an Menschen zu motivieren. Also weiter wie bisher? Auch nicht. Die Lösung, um Klimaschutz mit Luxus und Komfort zu versöhnen, liegt im „Wie“ des Konsumierens: Kaufe ich die billigen Turnschuhe, die nach einer Saison kaputtgehen? Oder bezahle ich lieber den doppelten Preis für ein Paar, das drei Jahre hält? Stelle ich das abgewetzte Sofa nach 5 Jahren auf den Sperrmüll? Oder lasse ich es mit neuem Stoff beziehen und verlängere so die Lebensdauer? Steht mein Rasenmäher die meiste Zeit im Schuppen? Oder könnte ich mir nicht Anschaffung und Benutzung mit den Nachbarn teilen?

Die Macht der Konsumenten

Außerdem sollten wir nicht vergessen, wie viel Macht wir als Konsumenten eigentlich haben: Denn dadurch, dass wir täglich hunderte Entscheidungen treffen, lassen sich die Hersteller und Anbieter von Waren und Dienstleistungen sehr wohl dazu bringen, auf eine möglichst positive Klimabilanz zu achten. Also entscheiden wir uns doch für das Hotel mit Ökostrom und Solarzelle auf dem Dach. Für das Bier aus der Region, das nicht aus Norddeutschland herangekarrt wurde. Für die Firmenkette, die auf Nachhaltigkeit und energieeffiziente Filialen achtet. Das Auto mit dem niedrigen Verbrauch. Honorieren wir diese Klimaschutzbemühungen, indem wir uns für sie – und nicht für die klimaschädliche Alternative – entscheiden.

All diese Beispiele zeigen: Klimaschutz muss nicht mit Verzicht verbunden sein. Und teurer ist er auch nicht – wenn überhaupt lautet die Frage nur, ob er sich sofort, kurz oder langfristig rechnet. Zeit also, dass wir uns von Zerrbildern verabschieden und uns ein neues Bild vom modernen Klimaschützer machen.

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