25. August 2015
Nachhaltig leben

„Wenn der Topf aber ein Loch hat …“ – reparieren statt wegwerfen.

Was tun, wenn der Fernseher flackert oder der Fön nur noch kalte Luft bläst? Reparieren statt wegwerfen lautet die Devise. Blogger Sebastian Backhaus erklärt, wie man im Do-it-yourself-Verfahren Müll vermeiden und dabei Ressourcen und Geld sparen kann.

Do it yourself

Reparieren schont Ressourcen und den Geldbeutel.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Allein im Jahr 2014 sind laut einer Studie der United Nations University 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott im Müll gelandet. Gleichzeitig steigt der Verbrauch von natürlichen Ressourcen wie Eisen, Kupfer oder Silber stetig an. Und diese wertvollen Rohstoffe findet man wiederum in Elektrogeräten. Im Hinblick auf einen sparsamen Umgang mit unseren begrenzten Ressourcen sollten technische Geräte folglich möglichst lange genutzt werden. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Bei vielen Produkten ist das Verfallsdatum sogar bereits werksseitig eingebaut. Man spricht dann von geplanter Obsoleszenz. Und nicht nur Elektrogeräte landen tagtäglich auf dem Müll. Auch wackelige Tische, Koffer, die nicht mehr richtig rollen, oder Stoffteddys mit nur noch einem Auge werden schnell ausrangiert. Muss das sein? Kann man nicht auch ausbessern statt wegwerfen? Schließlich wird beim Reparieren nicht nur die Energiemenge, die für die Herstellung neuer Produkte erforderlich ist, eingespart, sondern es wird auch – anders als beim Recyceln – weniger CO2 freigesetzt. Und günstiger als Neukaufen ist Reparieren obendrein.

In Online-Communitys und Repair Cafés gibt es Hilfe bei Reparaturfragen.

Doch auch wenn die Bereitschaft besteht, zu reparieren, statt wegzuwerfen, fehlt häufig das nötige Wissen: Wie tausche ich mein zersplittertes Handydisplay aus? Was mache ich, wenn der Toaster einen Kurzschluss hat? Oder wie leime ich das wackelige Stuhlbein wieder fest? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen findet man in Online-Communitys im Netz oder auch im Repair Café um die Ecke. Denn um dem verschwenderischen Umgang mit Ressourcen entgegenzuwirken, hat sich seit einiger Zeit die sogenannte Repair-, Maker- oder Fix-it-Szene etabliert. Es wird repariert, gebastelt, experimentiert, recycelt und sich dabei gegenseitig geholfen. Das erklärte Ziel: reparieren statt wegwerfen.

Fix it

Reparieren ist viel einfacher, als man denkt.

Finde Repair Cafés in deiner Nähe:
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Allein in Deutschland wurden in den letzten Jahren über 200 Repair Cafés gegründet. Hier arbeiten Menschen, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich gegenseitig dabei helfen, Gegenstände zu reparieren. Mit Schraubenzieher, Lötkolben oder Nähmaschine werden im Do-it-yourself-Verfahren Kleidung, Möbel, Fahrräder, Spielzeug und vieles mehr wieder auf Vordermann gebracht. Jemand weiß, wie man löchrige Socken stopft, ein anderer kann die Trommel der defekten Waschmaschine austauschen, und ein Dritter hilft dabei, den kaputten Fahrradschlauch zu flicken. Im Team Dinge aufzuschrauben und zu reparieren macht besonders viel Spaß. Und lernen kann man dabei garantiert auch etwas, zum Beispiel wie es sich mit dem Schaltkreislauf einer Spülmaschine verhält.
 
 

Reparieren oder Wegwerfen

Abgebrochene Gegenstände per 3-D-Drucker nachproduzieren.

Weitaus technischer geht es in FabLabs zu. In diesen Werkstätten, die mit modernsten Hightechgeräten ausgestattet sind, kann man nahezu alles herstellen, was man will. Wenn gewünscht, unter fachkundiger Anleitung in Workshops. Die am häufigsten genutzten Maschinen dafür sind 3-D-Drucker, Laser-Cutter oder CNC-Fräsen. FabLabs bieten Raum für kreative Ideen und Erfindungen. Hier lassen sich nicht nur beschädigte Maschinenteile neu herstellen, um defekte Geräte wieder funktionstüchtig zu machen, sondern auch ganz neue Dinge entwickeln und produzieren. Dank der technischen Ausstattung ist zum Beispiel die Produktion von Prototypen und Kleinstauflagen möglich. Kein Wunder, dass sich FabLabs immer größerer Beliebtheit erfreuen. Das FabLab in Berlin ist daher gerade in größere Räume gezogen: fablab.berlin. Auf der Website der FabFoundation gibt es eine Liste mit allen FabLabs weltweit: fabfoundation

Nachhaltig reparieren: kaputt.de & ifixit
Open Source: Bauanleitungen und Reparaturtricks kostenlos im Netz.

Wer online nach Hilfe und entsprechenden Anleitungen für Elektroreparaturen sucht, wird auf Plattformen wie www.kaputt.de, www.akkutauschen.de oder www.ifixit.com fündig.
Auf iFixit helfen sich Menschen gegenseitig, Dinge zu reparieren – ganz ähnlich, wie das analog in Repair Cafés geschieht. Die Website liefert nicht nur kostenlos Baupläne und Reparaturanleitungen, sondern hat im Online-Shop auch das nötigte Werkzeug und die passenden Ersatzteile im Angebot. fahrradreparatur.net hat sich ganz der Instandhaltung und Reparatur des geliebten Drahtesels verschrieben. Und auch die Nachhaltigkeitsplattform www.utopia.de hat eine Online-Gruppe gegründet, in der sich die User über das Reparieren von Gegenständen austauschen können und hilfreiche Tricks und Tipps teilen: utopia.de. Hinzu kommen zahllose YouTube-Tutorials zu fast jeder technischen Frage.

Reparieren statt wegwerfen? Die Fakten im Überblick.

  • Reparieren schont die Umwelt

    • Wir haben nur in begrenztem Maße Ressourcen zur Verfügung, deshalb müssen wir sorgsam mit ihnen umgehen. Das funktioniert ganz einfach, indem wir nutzen, was wir bereits haben.
  • Reparieren spart Geld

    • Gegenstände zu reparieren ist häufig günstiger als Neukauf – manchmal ist es sogar kostenlos.
  • Reparieren bildet

    • Technikverständnis, leicht gemacht: Die beste Art, etwas zu verstehen, ist, es aufzuschrauben und einen Blick hineinzuwerfen.
  • Reparieren macht Spaß

    • Über Dingen zu tüfteln und etwas mit den eigenen Händen zu schaffen macht mehr Spaß, als im Warenkorb eines Online-Shops auf „Bestellen“ zu klicken. Außerdem lassen sich im Repair Café oder Maker Space leicht neue Leute und Gleichgesinnte kennenlernen. Und gemeinsames Reparieren macht noch mehr Laune.

Tauschen statt kaufen

Genauso wichtig aber, wie kaputte Gegenstände zu reparieren, ist, bereits vor jedem Neukauf kritisch abzuwägen, ob man die Anschaffung wirklich benötigt. Schließlich gibt es zahlreiche Gegenstände im Haushalt, die viel herumstehen, aber fast nie genutzt werden. Das Paradebeispiel hierfür ist die Bohrmaschine: Sie wird durchschnittlich nur 13 Minuten ihres gesamten Produktlebens genutzt, und der Nachbar verleiht seine sicher gerne. Aber das ist ein anderes Thema …

Reparieren statt wegwerfen: das Do-it-yourself-Kit für zu Hause.

Die folgenden zehn Gegenstände sollte man für den Notfall stets im Haus haben.

Panzerband:
zum Befestigen, Zusammenbinden, Abdichten und für vieles mehr. Egal ob kaputter Reißverschluss oder undichtes Rohr – Panzerband hält die Welt zusammen.
Universalschraubenzieher:
Schlitz, Kreuz oder Inbus – hiermit öffnet sich fast alles, zum Beispiel das Gehäuse elektrischer Geräte.
Pinzette:
Auch die winzigsten Schrauben am Smartphone kann man damit fest und senkrecht halten.
Lötkolben:
Mit etwas Übung kann man mit dem Lötkolben zum Beispiel ganz einfach defekte Kopfhörerkabel reparieren.
Sekundenkleber:
Damit werden Schuhsohlen schnell fixiert und auch der Deckel von Omas Kaffeekanne ist mit seiner Hilfe im Nu wieder ganz.
Nähnadel und -garn:
die schnelle Rettung für fast alle textilen Probleme.
Phasenprüfer:
lebenswichtiges Instrument, wenn Strom im Spiel ist.
Reifenflickzeug:
Löcher im Fahrradschlauch kann jeder selbst flicken. Anleitungen gibt’s zum Beispiel bei www.fahrradreparatur.net
Kombizange:
Mit dem vorderen Teil kann man Gegenstände fixieren, der hintere Teil dient dazu, Drähte abzukneifen oder Leitungen zu isolieren.
Cutter:
Teppiche, Kabelbinder, Klebeband oder Kartons lassen sich mit dem Cutter-Messer wunschgerecht zuschneiden.

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