6. März 2015
Nachhaltig leben

Fashionblogger meets Nachhaltigkeit. Teil 5: Projekt „Slow vs. Fast Fashion“.

Fashionblogger Lena ist immer noch glücklich über ihren Wechsel zu Ökostrom. Um noch mehr fürs Klima und für die Umwelt zu tun, hat sie sich fünf Nachhaltigkeitsprojekte vorgenommen, über die sie jeden Monat hier im ENTEGA Blog schreibt. Ihr aktuelles Projekt dreht sich rund um die Nachhaltigkeit in ihrem Kleiderschrank.

ENTEGA Ökostrom: nachhaltige Kleidung fürs Klima

O je. Mein Gewissen nagt schon an mir, noch bevor das Projekt überhaupt angefangen hat. In den Tagen, bevor ein neues Nachhaltigkeitsprojekt beginnt, mache ich mir nämlich immer schon ein paar Gedanken, wie es funktionieren soll und was ich erwarte. Bei der Frage „Wie grün ist eigentlich mein Kleiderschrank?“ wusste ich schon im Voraus, dass ich nicht gut dabei wegkommen werde. Ich weiß schließlich, was in meinem Schrank hängt. Und ein khakigrüner Pullover ist so ziemlich das Einzige, was darin „grün“ ist.

Meine Anforderungen an einen grünen Kleiderschrank

Zunächst ging es also um eine Bestandsaufnahme, wie grün bzw. nachhaltig mein Kleiderschrank ist. Nachhaltige Kleidung bedeutet für mich, dass es sich um Labels oder Marken handelt, die lokal und unter fairen Arbeitsbedingungen produzieren, die Materialien vielleicht sogar recyclen und die nicht unter die Kriterien der Fast Fashion fallen – also der Wegwerfmode, die besonders durch saisonale Trends charakterisiert wird. Ich zählte also die Stücke in meinem Kleiderschrank, die „grün“ sind. Dazu zähle ich auch Produkte, die ich secondhand gekauft habe, denn das ist ja auch eine Art zu recyclen und damit nachhaltiger als neue Sachen. Und was soll ich sagen? Ich war schockiert.

Fashionblogger Lena auf der Suche nach Fast Fashion.
Das Resultat meiner Kleiderschrankinspektion

Grob gezählt besitze ich rund 380 Kleidungsstücke. (Dazu zählt alles, was auf einen Kleiderbügel passt, plus Hosen. Schuhe, Ketten, Taschen und Schals habe ich nicht mal mitgezählt.) Davon entsprechen gerade mal sechs Stücke meinen Anforderungen an nachhaltige Kleidung. Sechs. Die setzen sich zusammen aus drei Jacken, einem Kleid, einem Top und meiner Reithose. Bei den Accessoires sieht es etwas besser aus: Vier Taschen sind hochwertig und nachweislich nachhaltig hergestellt. Aber gerade mal ein Paar meiner Schuhe wurde in Deutschland hergestellt. Das war’s. Der Rest ist „Made in Bangladesh“, „India“ oder „China“. Mein Herz rutschte mir in die Hose: Nur 1,5 % meines Kleiderschranks sind vertretbar! Dagegen kann ich zwar jetzt nicht mehr viel tun, aber: Wie geht es weiter?

 

Slow Fashion vs. Fast Fashion

Als ich mich für mein Projekt mit den Themen „nachhaltige Kleidung“ und „nachhaltige Bekleidungsproduktion“ beschäftigte, hörte ich zum ersten Mal bewusst die Begriffe „Slow Fashion“ und „Fast Fashion“. Während Fast Fashion die kurzlebige und billig produzierte Mode ist, die wir in den Läden der bekannten Modeketten finden, ist Slow Fashion das genaue Gegenteil: nachhaltig und bewusst produzierte Mode, die den Markt entschleunigen möchte. Mode, die nicht mit Massen von umweltbelastenden Chemikalien arbeitet und die darauf achtet, woher die Rohstoffe kommen. Mode, die Materialien sauber verarbeitet und zum Ziel hat, ein langlebiges Stück zu kreieren. Der Nachteil: Slow Fashion ist meist sehr viel teurer, weil diese nachhaltigen Produktionsbedingungen nun mal ihren Preis haben. Dafür ist nachhaltige Kleidung aber in der Regel auch sehr viel länger haltbar und kommt nicht so schnell aus der Mode, weil es sich meist um zeitlose Stücke handelt.

Fashionblogger Lena steigt um auf Slow Fashion.
Das Prinzip „Cost per Wear“

Ganz anschaulich ist in diesem Zusammenhang das Prinzip „Cost per Wear“ (also die Kosten für jedes einzelne Mal, wenn man es trägt), das uns zeigt, dass günstig nicht immer auch sparsam ist. Denn oft wird argumentiert, dass man sich deswegen Fast Fashion kauft, weil nachhaltige Mode zu teuer ist. Aber schaut man sich das genauer an, ist dieses Argument schnell widerlegt. Ein T-Shirt vom Schweden kostet rund 20,– €. Ich trage es fünfmal, dann wird es zur Schrankleiche, weil es ausgewaschen oder verzogen ist oder vielleicht sogar weil der Trend schon wieder vorbei ist. Die Costs per Wear betragen dann 4,– €. Kaufe ich im Vergleich dazu eine nachhaltig produzierte Tasche, made in Germany, die mich 500,– € kostet, die ich aber ständig tragen kann und die qualitativ hochwertig ist, liegen die Costs per Wear – angenommen ich nutze sie jeden zweiten Tag im Jahr – bei gerade mal 2,70 €. Und das nur im ersten Jahr. Je öfter man ein Teil trägt und tragen kann, desto günstiger wird es also.

Meine Vorsätze

Das schockierende Resultat meiner Kleiderschrankinspektion ließ mich schnell Pläne schmieden, wie ich Nachhaltigkeit und Modebewusstsein in Zukunft vereinbaren kann. Als Fashionblogger stecke ich da ein bisschen in der Klemme: Man wird als Trendsetter und als Inspirationsquelle gesehen, wie aktuelle Trends umzusetzen sind. Also lautet die Frage: Wenn ich auf den Zug der Slow Fashion aufspringe und die aktuellen Trends nicht mehr mitmache, bin ich dann für meine Leser überhaupt noch eine attraktive Anlaufstelle?

Ich sage: Der Mix machts! Ja, ich will in Zukunft unbedingt sehr viel mehr darauf achten, mir nachhaltige Kleidung zu kaufen. Ich will mehr in nachhaltige Klassiker investieren, die vielleicht erst mal teurer sind, die dafür aber eben auch nicht nach dem ersten Waschgang aussehen, als hätte man ihnen einen anderen Schnitt verpasst. Ich möchte meinen Konsum von Fast Fashion deutlich reduzieren. Weniger Wegwerfmode. Weniger Discounter. Weniger „Made in Bangladesh“. Mehr Nachhaltigkeit. Mehr Bewusstsein. Ich will Trends genau beleuchten und schauen, in welche ich investieren möchte. Saisonal werde ich nicht auf die bekannten Modehäuser verzichten können – aber ich möchte mir jeden Kauf vor Augen halten und mich fragen, ob das fünfte Karohemd nun wirklich nötig ist.

Erstmal habe ich ordentlich ausgemistet. Alles, was ich im letzten Jahr nicht getragen habe, ist rausgeflogen. Aber natürlich nicht in den Müll – lieber schnüre ich daraus ein Paket und verkaufe die Teile auf einem der vielen Online-Secondhand-Portale, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. So hat vielleicht noch jemand anders Freude an meinen Sachen und ich kann mir ein bisschen Geld ansparen, um in nachhaltige Kleidung zu investieren. Ein schöner Kaschmirpullover zum Beispiel. Vielleicht finde ich auch selbst auf den Secondhand-Portalen das eine oder andere hochwertige Stück – das wäre schließlich noch besser, um Modemüll zu vermeiden.

Meine konkreten Taten

Erstmal habe ich ordentlich ausgemistet. Alles, was ich im letzten Jahr nicht getragen habe, ist rausgeflogen. Aber natürlich nicht in den Müll – lieber schnüre ich daraus ein Paket und verkaufe die Teile auf einem der vielen Online-Secondhand-Portale, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. So hat vielleicht noch jemand anders Freude an meinen Sachen und ich kann mir ein bisschen Geld ansparen, um in nachhaltige Kleidung zu investieren. Ein schöner Kaschmirpullover zum Beispiel. Vielleicht finde ich auch selbst auf den Secondhand-Portalen das eine oder andere hochwertige Stück – das wäre schließlich noch besser, um Modemüll zu vermeiden.

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