11. Juni 2015
Nachhaltig leben

„Original unverpackt“: Einkaufen ohne Verpackungsmüll

Ein Supermarkt ohne Lebensmittelverpackungen? Foodbloggerin Peggy Schatz hat’s ausprobiert und war für uns im ersten Supermarkt, der dem Verpackungsmüll den Kampf angesagt hat. Wie’s war, erzählt sie hier.

“Original unverpackt” macht’s vor: Es geht auch ohne Verpackungsmüll.

Als Gerne-Esser und Selber-Kocher kaufe ich frische Lebensmittel, und zwar dann, wenn sie Saison und keine unsinnig langen Wege hinter sich haben. Da der Handel inzwischen auf die gesteigerte Nachfrage nach regionalen Produkten reagiert hat, darf ich mich hier einer immer größeren Vielfalt erfreuen. Die allerdings immer ausufernder verpackt wird. Bei vielen Produkten sind Lebensmittelverpackungen ja sinnvoll. Aber ist es wirklich nötig, Gurken in Zellophan einzuschweißen oder Äpfel in Plastik zu verpacken? Müssen wiederverwendbare Glasflaschen zwangsläufig Plastikflaschen weichen? Und muss dieses Plastik erst im Ozean und dann fein zermahlen in der Nahrungskette landen?

Supermarkt und ökologische Nachhaltigkeit – geht das zusammen?

Dass es auch anders gehen kann und muss, wenn wir diesen Planeten unseren Kindern und Enkeln guten Gewissens übergeben wollen, beweist „Original unverpackt“.

„Original unverpackt“ ist ein Ladengeschäft in Berlin, das sich den Verzicht auf Einwegverpackungen auf die Fahne geschrieben hat. Dank privaten Unterstützern (Stichwort: Crowdfunding), denen ökologische Nachhaltigkeit am Herzen liegt, reifte aus der Idee letztlich eine handfeste Tatsache. Ohne Plastik-Gedöns und Verpackungsmüll …

Der erste Supermarkt ohne Verpackungsmüll. Und ich war da.

Wie der Name schon sagt, kommt die Ware bei „Original unverpackt“ komplett unverpackt daher. Ich konnte mir zwar noch nicht so recht vorstellen, wie der Einkauf ohne Plastik und sonstige Einwegverpackungen praktisch funktioniert, hatte für meinen Erstbesuch aber vorsorglich einige verschließbare Behälter eingepackt. Diese Vorkehrung erwies sich als äußerst nützlich …

Beim Betreten des Ladens sah ich mich mehreren Metern saisonalem und regionalem Gemüse gegenüber. Da freute sich das Hobbykoch-Herz! Neben rotem Rettich (wusste gar nicht, dass es so etwas überhaupt gibt), lila Karotten und nirgends sonst zu findenden frischen Kurkuma-Wurzelchen habe ich mich besonders über den Winter-Portulak gefreut. Bloß, wie eintüten? Ein suchender Blick in die Runde … und das Problem war gelöst. Für kleinteilige Ware liegen nämlich „Tütle“ bereit – umweltfreundlich produzierte, kompostierbare Papiertüten „Made in Germany“. Sehr praktisch. Mein „Tütle“ hatte – nachdem es seinen Dienst als Transporthilfe getan hatte – zu Hause ein zweites Leben als Biomüll-Abfalltüte und ruht inzwischen ordnungsgemäß kompostiert in Frieden.

“Original unverpackt”: Auch Loses kommt ohne Lebensmittelverpackungen daher.
Lebensmittelverpackung, ade

Als ich neugierig in den Hauptraum wechselte, entdeckte ich lange, durchsichtige Schüttbehälter, die wie die Orgelpfeifen aufgereiht waren. Bei diesem Bild wurde mir plötzlich klar, dass zur Verkaufssteigerung überhaupt keine reißerischen Lebensmittelverpackungen nötig sind. Im Gegenteil! Beim Vorbeiflanieren machte mir alleine die puristische Schönheit der Lebensmittel in den Röhren Appetit. Nudeln, unterschiedlichste Reissorten, Nüsse und Saaten: Ich hätte am liebsten alle Behälter angezapft … Glücklich also, wer Schüsselchen dabeihat, und so habe ich mich ausgiebig bedient! Alternativ lagen aber auch hier Papiertüten sowie Stoffbeutelchen parat, die man käuflich erwerben konnte.

Damit aber nicht genug der Fülle: Als Nächstes entdeckte ich mitten im Raum einen großen Tisch mit transparenten Containern und allerlei Feinkörnigem darin. In den Containern für Mehl, Rohrzucker, Maismehl und Grieß steckte jeweils ein fest montiertes Schäufelchen, mit dem sich das begehrte Produkt einfach und hygienisch herausfischen ließ. Ich habe beim Rohrohrzucker zugelangt … Gerne hätte ich auch noch ein paar lose Nudelplatten mitgenommen. Allerdings greift man sich die mit einem Hygienehandschuh. Der wird zwar täglich gewechselt, aber da hineinzuschlüpfen war nicht so meins.

Was das Herz begehrt und alles ohne Plastik

In einem kleinen Kühlschrank neben der Kosmetik (ja, auch die gibt es hier – natürlich unverpackt) habe ich dann zu guter Letzt noch Milch (in Glasflaschen), Joghurt, Kimchi und Tofu (im Schraubglas) entdeckt. Kimchi und Tofu stammen aus Berliner Manufakturen, sind also regionale Produkte und passen gut ins Konzept. Ich war ganz verliebt in den Tofu und hätte gern welchen mitgenommen. 1 € Glaspfand war mir aber – da das Pfandgut nur vor Ort zurückgegeben werden kann – zu viel des Guten. Auf Nachfrage wurde mir versichert, dass am Pfandsystem noch gefeilt wird.

Was ich im verpackungsfreien Supermarkt nicht spontan kaufen konnte, war Käse. Eigentlich schade, denn laut Produktübersicht im Internet gibt es recht spannende regionale Sorten. Käse bekommt man bisher aber nur an Samstagen, da vorerst nicht ausreichend Möglichkeiten zum Kühlen vorhanden sind. Ein Samstags-Käsekauf kommt definitiv auf meine To-do-Liste für 2015.

Mein Fazit

Das Abfüllen der Lebensmittel aus Containern und Röhren ging spielend einfach, erforderte aber gutes Augenmaß. Mir ist es passiert, dass ich von der nicht ganz billigen Quinoa wesentlich mehr als geschätzt abgefüllt hatte. Das böse Erwachen kam an der Kasse. So viel wollte ich dann eigentlich nicht nur für Quinoa ausgeben.

Ein bisschen irritiert war ich bei der Abrechnung der losen Ware. Damit das Gewicht des Behältnisses nicht berechnet wird, wiegt man es vor dem Einfüllen des Produkts. Die Waage druckt ein Etikett aus, das man auf das Gefäß klebt. An der Kasse wird dann das Eigengewicht des Behälters vom Gesamtgewicht abgezogen. Ich gehe davon aus, dass dem tatsächlich so ist. Trotzdem verwirrte es mich, diesen Vorgang weder an der digitalen Anzeige noch auf dem Kassenzettel erkennbar nachvollziehen zu können.

Alles in allem aber halte ich „Original unverpackt“ für ein mutiges und clever umgesetztes Konzept im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit. (Ob es das einzig Wahre zur Vermeidung von Verpackungsmüll ist, sei dahingestellt.) Der Einkauf bringt zwar gewisse Unbequemlichkeiten mit sich, aber lohnt sich – schon alleine wegen der ausgesucht guten Ware. Zudem schafft der Einkauf ganz ohne Plastik-Lebensmittelverpackungen ein gutes Gewissen und freut die Umwelt. Eine unterstützens- und nachahmenswerte Initiative!

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