15. Dezember 2016
Nachhaltig leben

Nachhaltige Stadtentwicklung am Beispiel Wallen.

Holzhackschnitzel, Gülle und Mais verwandelt das Dorf Wallen in Wärmeenergie, die im eigenen Netz verteilt wird. Was als „Schnapsidee“ begann, macht nun Schule: So geht nachhaltige Stadtentwicklung.

Nachhaltige Stadtentwicklung Wallen

Mechthild Giesmann wundert sich heute noch, wie schnell dann alles ging mit dem eigenen Wärmenetz in ihrem Dorf. Ihr Dorf, das ist Wallen im Sauerland: sanfte bewaldete Hügel, viele Felder, eine größere Kreuzung, insgesamt 510 Einwohner und 120 Haushalte. Auf einer Geburtstagsfeier Ende 2010 entstand unter einigem Biereinfluss die Idee, sich als Dorf in Eigenregie mit CO2-neutraler Wärmeenergie zu versorgen. „Wir wollten uns nachhaltig mit Energie versorgen und so die Stadtentwicklung vorantreiben und die Zukunft unseres Dorfes sichern“, sagt Giesmann, heute Pressesprecherin der Genossenschaft Bioenergiedorf Wallen.
 

Ökostrom und Abwärme aus der Biogasanlage als Anstoß.

Der ortsansässige Bauer Wilhelm Seemer betrieb schon seit 2005 eine Biogasanlage. Den Ökostrom nutzte er selbst, aber die Abwärme der Anlage verpuffte bisher weitgehend ungenutzt. Damit könnte man doch den Kindergarten und das Feuerwehrgerätehaus heizen, fing er auf jener Geburtstagsparty an zu philosophieren. „Wennschon, dennschon“, prostete man sich in der Runde zu: „Warum nicht gleich das ganze Dorf mit Wärme versorgen?“ Zusammen mit einer Hackschnitzelanlage, die Holzhackschnitzel verbrennt und groß genug ist, müsste das funktionieren. Und so kam es dann tatsächlich.
 

Wollt ihr das Bioenergiedorf Wallen?

Der Kern der Partyrunde startete eine Umfrage im Dorf: Könntet ihr euch vorstellen, ein eigenes Wärmeenergienetz aufzubauen? Die Wallener konnten: „Im ersten Anlauf lag die Zustimmung bereits bei 70 bis 80 %“, sagt Giesmann. Nun wurde es ernst – und hätte an dieser Stelle auch scheitern können, sagt die Pressesprecherin heute: „Unsere Idee zum Bioenergiedorf war gut, das sahen wir schnell, aber trägt sie auch wirklich zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei und ist sie wirtschaftlich? Dazu mussten wir Geld in die Hand nehmen.“ Glücklicherweise erkannte die hiesige Bank das Potenzial der Idee und finanzierte die Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. „Da sind wir heute noch dankbar“, sagt Giesmann. Schließlich sei die Bank hier mit ins Risiko gegangen. Es hätte auch herauskommen können: nette Idee, aber nicht finanzierbar.
 

In Rekordzeit zur Nachhaltigkeit.

Die Idee war aber finanzierbar – also gründete man im März 2011 die Genossenschaft Bioenergiedorf Wallen. Von den 120 Haushalten waren 80 von Anfang an dabei. In den Folgetagen nach der Gründung kamen schnell noch mehr dazu, heute sind es 107, rund 90 % der Wallener. Zusammen konnte man das nötige Eigenkapital aufbringen, um das 1,8-Millionen-€-Projekt von der Bank finanzieren zu lassen. Am 28. Juli 2011 erfolgte der erste Spatenstich für das rund 5,5 Kilometer lange Wärmenetz, fertig gestellt wurde es noch im Dezember und am 9. Januar 2012 war bereits der erste Haushalt ans eigene Wärmenetz angeschlossen. Heute komplettieren eine Photovoltaik-Anlage – wie wir sie auch mit ENTEGA Solarstrom komplett anbieten – auf dem Dach der Hackschnitzelanlage, die ihren Ökostrom ins öffentliche Netz einspeist, und ein Notfall-Ölkessel für besonders kalte Wintertage die nachhaltige Stadtentwicklung von Wallen.
 

Das Beispiel des Bioenergiedorfs macht Schule.

Erst im März dieses Jahres bekam Wallen Besuch einer niederländisch-belgischen Delegation. Die Gruppe wollte lernen, wie Wallen das Kunststück der eigenen Wärmeversorgung geschafft hat. „Da berichten wir natürlich gerne drüber“, sagt Giesmann. „Wir würden es jederzeit wieder tun“, betont sie. Bisher habe sich noch niemand negativ geäußert – man habe nur Vorteile, so die Pressesprecherin weiter: Rücklagen für Öl im Winter, die Wartung der Heizungsanlage und den Schornsteinfeger, das alles brauchten die Wallener nun nicht mehr. „Und das alles für eine Einlage von 2.500 €.“
 

Eine Investition für die Zukunft.

„Wenn alles läuft wie geplant, dann ist die Anlage 2023 abbezahlt“, so Giesmann. Ihr eigenes Wärmenetz sei flexibel. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung der Technik von 50 bis 60 Jahren wäre es in Zukunft auch denkbar, die Wärme anders zu erzeugen. Etwa in Kombination mit einer Ökostrom-Produktion mittels einer Brennstoffzelle. Für Ein- und Mehrfamilienhäuser bietet ENTEGA übrigens eine zukunftsgerichtete Energieerzeugung bereits an. Das kleine Brennstoffzellenkraftwerk spart bis zu 30 % der Energiekosten und reduziert den CO2-Ausstoß für Strom und Heizung um glatt die Hälfte. Dieser aktive Beitrag zum Klimaschutz wird übrigens gefördert. Die positiven Effekte auf die Stadtentwicklung in Wallen zeigen sich jedenfalls schon jetzt: „Wir haben keine Leerstände in der Gemeinde“, berichtet Giesmann. „Unser Wärmenetz macht die Häuser in unserem Dorf ganz offensichtlich attraktiv.“
 

Was ist eure Meinung zu Bioenergiedörfern und nachhaltiger Stadtentwicklung? Schreibt es uns in die Kommentare, wir sind gespannt!

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