4. November 2014
Nachhaltig leben

Fashionblogger meets Nachhaltigkeit. Teil 3: Projekt „Ohne Auto leben“.

Vor zwei Monaten ist Fashionblogger Lena zu ENTEGA Ökostrom gewechselt. Um auch sonst nachhaltiger zu leben, hat sie sich fünf Nachhaltigkeitsprojekte vorgenommen. Über ihre Erfahrungen schreibt sie jeden Monat hier im ENTEGA Blog.

Nachhaltigkeitsprojekt Nr. 2: „Ohne Auto leben“

Ich muss zugeben, dass ich mich vor diesem Projekt am liebsten gedrückt hätte und dass ich seinen Zeitraum ganz bewusst auf den Monat August gelegt habe. Denn die Hälfte des Monats befand ich mich im Urlaub, wo ich sowieso kein Auto gebraucht habe. Die zweite Hälfte des Projekts aber habe ich sowohl mit einer Woche Urlaub zu Hause sowie einer ganz normalen Arbeitswoche zu kämpfen gehabt – so ganz ohne meinen Luigi (ja, mein Auto hat einen Namen).

Wieso mir das Projekt so schwerfiel

Ganz einfach: Ich bin unglaublich bequem und gerne spontan. Mit beidem kann man leben, wenn man ein Auto hat. Mal eben spontan ein Abendessen in der nächsten großen Stadt ist nicht drin – denn die ist 40 Minuten entfernt und mit den Öffentlichen nur mit mehrfachem Umsteigen zu erreichen. Gegen öffentliche Verkehrsmittel habe ich außerdem eine echte Abneigung, die noch aus meiner Studienzeit stammt. Meine Uni war 35 Kilometer entfernt und mit dem Auto in knapp 30 Minuten erreichbar. Die ersten eineinhalb Jahre bin ich mit Bus und Bahn gefahren, was in etwa so ablief: Ich fuhr fünf Minuten mit dem Auto zum nächsten Bahnhof, weil zur benötigten Zeit noch keine Busse fuhren. Mit mehrfachem Umsteigen erreichte ich dann nach eineinhalb Stunden die Uni. Hin und zurück also drei Stunden für eine Strecke, die ich mit dem Auto in einer Stunde geschafft hätte. Nach eineinhalb Jahren hatte ich genug davon, meine Zeit zu verschwenden, und fuhr mit dem Auto. Seitdem schwingt bei mir der Gedanke an Zeitverschwendung immer mit, wenn ich an die Öffentlichen denke.

Ein Projekt ist ein Projekt ist ein Projekt

Da ich mir aber vorgenommen hatte ohne Auto zu leben, stieg ich für den Anfang wieder auf öffentliche Verkehrsmittel um. Allerdings setzte ich mir ein Zeitlimit: Mehr als doppelt so lang durfte es mit Bus und Bahn nicht dauern – sonst steht der Zeitaufwand für mich in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen für die Umwelt. In meiner ersten Urlaubswoche klappte das erstaunlich gut: Die Busverbindungen in die umliegenden Ortschaften, in denen meine Freundinnen wohnen, waren seit meiner letzten Nutzung der Verbindungen sehr viel besser geworden und so waren Besuche problemlos möglich. Während der Fahrt konnte ich mit dem Handy Mails beantworten und hatte somit sogar ein bisschen Zeit gewonnen. Das stimmte mich erstmal ganz positiv. Mitte der ersten Woche änderte sich dies aber bereits, als der erste größere Lebensmitteleinkauf anstand. Zunächst noch fröhlich schnappte ich mir meinen Einkaufskorb und marschierte los. Allerdings liegt der Supermarkt am anderen Ende der Stadt und das heißt, dass ich drei Kilometer zu Fuß bestreiten musste. Ein Fahrrad besitze ich nämlich (leider) nicht.

Der Hinweg mit leerem Korb war vielleicht noch ein netter Spaziergang, aber mit vollgepacktem Korb war ich dann nach insgesamt sechs Kilometern doch ziemlich erschöpft. Außerdem musste ich am nächsten Tag noch mal los, weil ich nicht auch noch den Wasserkasten schleppen konnte. Diesmal wählte ich aber schlauerweise den Bus, was sehr viel angenehmer und auch mit Wasserkasten machbar war. Die erste Woche brachte ich also insgesamt ganz passabel hinter mich. An den Wochenenden, wenn ich mit meinen Freundinnen mit dem Zug in die Stadt fuhr, um ein paar Cocktails zu schlürfen, war es sogar ganz angenehm, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, wer den Chauffeur spielt. Ich überredete nämlich alle Mädels, auf das Auto zu verzichten, und so fuhren wir alle zusammen mit der Bahn, was wirklich Spaß gemacht hat.

Meine Arbeitswoche ohne Auto

Irgendwann ging allerdings der Ernst des Lebens wieder los: Mein Urlaub war vorbei und ich musste wieder arbeiten. Die ersten zwei Tage nahm ich mir vor, mit dem Zug zu fahren. Die Anbindung von meinem Zuhause bis zum Arbeitsplatz ist recht gut – ich steige vom Zug direkt in die Straßenbahn und habe danach noch einen kurzen Fußweg. Wenn alles gut läuft, was am ersten Tag der Fall war, braucht man mit den Öffentlichen gerade mal 15 Minuten länger und das ist durchaus vertretbar. Das gute Gefühl hielt allerdings nicht sehr lange an.
Schon am nächsten Tag gab es Stress im Büro und nur einen kurzen Moment zu spät verließ ich die Firma, um zur Straßenbahn zu laufen. Ich rannte also, um Zeit gutzumachen – nur um dann 20 Minuten an der Straßenbahnstation zu stehen, weil die Bimmelbahn einfach nicht kam. Dadurch verpasste ich dann meinen Anschlusszug und musste eine geschlagene Stunde am Bahnhof rumstehen. Frustriert machte ich mir also Gedanken, wie es weitergehen sollte – denn Aufgeben war nicht drin. Eigentlich.

Meine Mitfahrgelegenheit

Zugegeben, es dauerte ein bisschen, bis ich auf die Idee mit der Mitfahrgelegenheit kam. Irgendwann fiel dann aber doch der Groschen. Nachdem ich online etwas genauer gesucht hatte, fand ich Angebote, wo sich Leute zu Fahrgemeinschaften zusammentun und gemeinsam zur Arbeit fahren. Um meine Firma herum sind viele kleinere Firmen und so gab es genügend Angebote für mich. Schlussendlich fand ich zwei Frauen mit ungefähr gleichen Arbeitszeiten, denen ich mich anschließen konnte.

Mittwoch und Donnerstag wurde ich also von den Mädels eingesammelt und das funktionierte trotz unterschiedlicher Arbeitgeber erstaunlich gut. Und hätte auch am Freitag funktioniert – allerdings stand ich dann morgens abholbereit vor meiner Haustür und wartete und wartete und niemand kam. Um es kurz zu machen: Die Fahrerin hatte Urlaub, die andere Mitfahrerin war deshalb mit dem eigenen Auto gefahren und mir hatten sie leider vergessen Bescheid zu sagen. Also blieb mir – wenn ich nicht zu spät zur Arbeit kommen wollte – nichts anderes übrig, als am letzten Projekttag alles über den Haufen zu werfen, meine Autoschlüssel rauszukramen und mit dem Auto zu fahren.

Fazit des Projekts „Ohne Auto leben“

Mein geschummelter halber Monat ohne Auto fiel mir rückblickend nicht ganz leicht.
Zwar habe ich eingesehen, dass ich in der Freizeit sehr viel öfter auf Bus und Bahn zurückgreifen sollte – der Umwelt zuliebe. Aber beruflich ist mein Auto für mich unverzichtbar. Mich auf eine Fahrgemeinschaft zu verlassen hat leider nur bedingt funktioniert und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht mir an einem hektischen Arbeitstag dann doch zu viel Zeit für Warten und Umwege drauf. Ganz ohne Auto leben werde ich deshalb wohl bis auf Weiteres nicht. Ein paar Gedanken, wie ich in Zukunft häufiger mal aufs Auto verzichten kann, habe ich mir aber trotzdem gemacht.

  • Fahrrad fahren!

    Ich bin mir sicher, dass ein Fahrrad meine nächste größere Investition sein wird. Lebensmittel einkaufen wäre damit viel leichter machbar, weil ich mit Körben und Gepäckträger doch eine ganze Menge transportieren könnte. Außerdem ist man auf dem Dorf und auch in der Großstadt doch relativ mobil und kommt schnell und ohne Umwege von A nach B.

  • Mitfahrgelegenheiten nutzen!

    Allerdings nur in der Freizeit. Um in die nächste Stadt oder vielleicht sogar durch halb Deutschland zu fahren, kann man sich bei verschiedenen Online-Mitfahrzentralen zusammentun, um gemeinsam ans Ziel zu kommen. Neben geteilten CO2-Emissionen lernt man so ganz nebenbei auch noch nette Leute kennen!

  • Oder vielleicht ein Roller?

    Vielleicht muss es ja gar kein Auto sein. Ich spiele mit dem Gedanken, mir eine Vespa zuzulegen. Die sieht nicht nur stylisch aus, sondern hat auch noch einen viel geringeren Verbrauch als ein Auto und bringt mich auf relativ kurzen Strecken genauso gut ans Ziel. Zumindest für die Sommermonate ist das eine Überlegung wert!

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