12. Oktober 2012
Familie Klimaschutz

So kommt Klimaschutz in Fahrt

Um bei der Erderwärmung auf die Bremse zu treten, muss der CO2-Ausstoß rasant gesenkt werden: Denn allein Verkehr und Reisen verursachen knapp ein Viertel des durchschnittlichen CO2-Fußabdruckes. Der Vorteil: Wer hier reduziert, spürt das bei den aktuellen Spritpreisen auf Rekordniveau auch direkt im Portemonnaie.

Bei der Ermittlung des CO2-Fußabdrucks von Familie Klimaschutz gehörte Verkehr zu den Bereichen, in denen die Blöchingers über dem Durchschnitt in Deutschland lagen: Die 4-köpfige Familie verursacht ca. 8,4 t CO2 (statt 6 t dt. Durchschnitt). Durch Flugreisen kommen weitere 4,8 t (statt 3,8 t dt. Durchschnitt) hinzu.

Um unserem Aktionsziel eines klimaneutralen Lebens näher zu kommen, machen wir uns auf die Suche, wo diese knapp 2,5 Tonnen Mehrverbrauch herkommen.

28.000 Kilometer rund um Mainz

Das Leben auf dem Land ist zwar idyllisch, erfordert aber meist auch das Pendeln zur Arbeit. So auch bei Familie Klimaschutz: Vater Michael nutzt für den Weg in die Stadt einen ca. 18 Jahre alten Opel Astra Kombi und legt 10.000 Kilometer im Jahr zurück. Bei einem Benzinverbrauch von ca. 7 l macht das rund 2,0 Tonnen jährliche CO2-Belastung.

Der zweite Wagen, ein Opel Zafira, Bj. 2001, mit sieben Sitzplätzen, wird noch häufiger gefahren – insgesamt ca. 17.000 km im Jahr. „Der ist ideal, wenn ich mit meinen Tageskindern etwas unternehmen möchte,“ erklärt Barbara, die als zertifizierte Tagesmutter arbeitet, „außerdem fahren wir oft mit den Tanzgruppen aus unserem Verein zu den Auftrittsorten.“ Gut so: Für den Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 ist es günstig, Autos möglichst vollbesetzt zu nutzen. Nachteil des Zafira: der hohe Spritverbrauch von 11 Litern/100 Kilometer verursacht 5,3 t CO2/Jahr.

Ein Stück Unabhängigkeit: der
eigene fahrbare Untersatz.

Drittes motorisiertes Vehikel ist der Motorroller, den Sohn Dominic ca. 1.000 Kilometer im Jahr fährt (3l/100 km). Wenn er ihn auf Strecken nutzt, die er auch mit dem Fahrrad fahren könnte, ist der Roller eine CO2-Mehrbelastung. Wenn er eine Abholung mit dem PKW überflüssig macht, eine Entlastung.

Spritsparen oder aufs Fahrrad umsteigen?

Die wichtigsten Stellschrauben bei verkehrsverursachten Emissionen: Lässt sich die Anzahl der gefahrenen Kilometer reduzieren? Und kann ich den Benzinverbrauch optimieren?

Wie viele Kilometer tatsächlich notwendig sind, lässt sich von außen schlecht beurteilen. Es hat viel mit der individuellen Lebensqualität bzw. der privaten Wohn- und Arbeitssituation zu tun. Allerdings regen wir an, dass jeder sein ganz persönliches Verbrauchsprofil hinterfragt: Wie viel CO2 verursache ich heute? Und wie viel davon könnte ich künftig einsparen?

Um Ihre Bilanz zu entlasten, können Sie zunächst darauf achten, Einzelfahrten zusammenzulegen (also z.B. die Einkäufe auf dem Heimweg von der Arbeit zu erledigen), so oft es geht das Fahrrad bzw. den ÖPNV zu nehmen, und auf regelmäßigen Strecken (wie zur Arbeit oder zum Sport) Fahrgemeinschaften zu organisieren. Im vollbesetzten Zafira zu den Auftritten der Tanztruppe zu fahren, ist hier bereits ein vorbildliches Beispiel.

Und der Spritverbrauch? Diese Frage stellt sich bereits vor der Anschaffung des PKWs: Wie groß, wie schwer, wie leistungsstark muss mein neuer Wagen sein? Wieviel Technik muss ich haben? Durstiger Gebrauchtwagen oder sparsamer Neuer? Blöchingers könnten beispielsweise über 1.000 Euro im Jahr einsparen, wenn ihr Zafira nur 7 l statt 11 l auf 100 km verbrauchen würde.

Der ADAC und auch der VCD erstellen regelmäßig übersichtliche Listen über die spritsparendsten Modelle.
Was viele nicht ahnen: Auch die Fahrweise hat großen Einfluss auf den Verbrauch. Wer sich z.B. das spritschonende frühe Schalten, den Verzicht auf den Leerlauf und das Meiden der Höchstgeschwindigkeit antrainiert, kann so leicht 10 % – 20 % seines Spritbedarfes einsparen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Wolken… richtet CO2 größeren Schaden an

Für den CO2-Fußabdruck wurden auch die Flugreisen der Familie Klimaschutz im Jahr 2011 bilanziert – knapp 5 Tonnen CO2 durch ihren Flug nach Kreta, Blöchingers griechische Lieblingsinsel. Im Jahresmittel zwar etwas höher als der Durchschnitt, aber immer noch völlig im Rahmen des Üblichen. Und für 2012 fällt dieser Posten sogar ganz weg, weil die Blöchingers – freiwillig, und nicht im Hinblick auf die CO2-Bilanz – in den Sommerferien lieber bei ihrem Häuschen bleiben wollten.

Generell gilt: Flugreisen sind die Schwergewichte in punkto Treibhausgasen: C02-Ausstoß zwischen 33 und 36 kg CO2/100 km[1]. Die Auswirkung auf die Atmosphäre sollte zwar nicht die Wahl des Urlaubsortes beeinflussen, allerdings gibt es ein paar Punkte, die Klimaschützer zum Verbessern ihrer CO2-Bilanz berücksichtigen können.

Stellen Sie innerdeutsche Flüge auf den Prüfstand: Häufig ist die Alternative mit der Bahn ähnlich schnell, da das frühe Einchecken und die Fahrt zum Flughafen entfällt.

Bei längeren Distanzen sollten Sie Direktflüge einer Verbindung mit Umsteigen vorziehen, da dies Umwege bedeutet und beim Start überdurchschnittlich viel Kerosin verbraucht wird. Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, unvermeidbare Flüge gegen eine Spende CO2-neutral stellen zu lassen – ein Service, den z.B. auch die Forest Carbon Group AG anbietet.

Gesetze und Vorschriften

Auch die Politik hat die Automobilindustrie als einen wichtigen Faktor bei der Erreichung der Klimaschutzziele erkannt und nimmt mit diversen Maßnahmen und Regelungen Einfluss. Eine Kennzeichnungspflicht in Ampeloptik soll z.B. Kaufinteressenten die Entscheidung für ein verbrauchsarmes Modell erleichtern: eine farbige CO2-Effizienzskala von Rot nach Grün ergänzt die Angaben zu Verbrauch und CO2-Ausstoß des PKWs. Doch Vorsicht: Was gut gemeint war, erntet Kritik, sogar vom ADAC. Da das Gewicht des Fahrzeugs berücksichtigt wird, kann es sein, dass ein großer schwerer Geländewagen ein grünes Label bekommt, während ein Kleinwagen, der unter dem Strich viel weniger verbraucht, das rote Etikett tragen muss[2].

Außerdem hat die EU festgelegt, wie viel CO2 ein Neuwagen pro Kilometer ausstoßen darf: Ab 2015 sind es 130 gr/km, fünf Jahre später sind nur noch 95 Gramm erlaubt[3]. Ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass z.B. der Zafira von Familie Klimaschutz über 300 gr C02/km ausstößt, der Astra ca. 200 gr CO2/km.

Stinker ade: Umweltzone für Mainz und Wiesbaden ab Februar 2013

Als erste Kommune in Rheinland-Pfalz hat sich Mainz – gemeinsam mit dem benachbarten Wiesbaden – zur Einrichtung einer Umweltzone entschlossen. Ab 1. Februar 2013 dürfen nur noch Fahrzeuge mit einer entsprechenden Umweltplakette die Innenstädte befahren. So sollen die alten, emissionsstarken Modelle langfristig aus den Stadtzentren verdrängt werden, um die

Luftqualität in punkto Feinstaub (Ruß und feinste Verbrennungsrückstände, die besonders tief in die Lunge eindringen können) und CO2-Belastung lokal zu verbessern.

Wie gesagt: welche dieser Vorschläge im Bereich Verkehr und Reisen umsetzbar sind, muss jeder für sich entscheiden. Denn nur wenn Klimaschutz nicht nur Verzicht bedeutet, können sich genug Nachahmer finden. Familie Blöchinger jedenfalls ist im Rahmen des Projektes sensibler im Umgang mit dem Gaspedal geworden und hat angekündigt, nur wirklich notwendige Strecken zu fahren.

Sohn Dominic bringt es auf den Punkt: „Wir bilden inzwischen noch häufiger als zuvor Fahrgemeinschaften, wenn unsere Tanzgruppe irgendwo auftritt. Da kommen dann gleich drei positive Faktoren zusammen: Geld sparen, Energie sparen und das Zusammengehörigkeitsgefühl steigern – besser geht’s nicht, oder?“

Übersichtslisten mit den spritsparendsten PKW-Modellen:

www.adac.de/infotestrat/autodatenbank/autokosten/top-10-autokosten/

www.vcd.org/vcd_auto_umweltliste.html

Informationen der Stadt Mainz zur Feinstaubplakette:

http://www.mainz.de/vv/produkte/verkehrsueberwachung/181010100000073844.php

Informationen der Stadt Wiesbaden zur Feinstaubplakette:

http://www.wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden/verkehr/umweltzone/feinstaubplakette.php

Informationen des Klimaschutz-Ministeriums Rheinland-Pfalz zu Spritsparkursen:

https://mwvlw.rlp.de/de/themen/verkehr/neue-mobilitaet/

Fußnoten

(1) PE International

(2) www.focus.de/auto/ratgeber/neues-oeko-label-fuer-autos-adac-…-neuwagen-rot_aid_652219.html

(3) http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+IM-

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