21. Juli 2015
Energie sparen

Der Energieausweis nach EnEV 2014: Schulzeugnis für Häuser.

Wie viel Energie verbraucht mein Traumhaus? Der Energieausweis nach EnEV 2014 bietet Käufern und Mietern schon vor dem Einzug Orientierung über den Energieverbrauch – und enttarnt so manches Immobilien-Schnäppchen als Energieschleuder.

Der Energieausweis nach EnEV 2014: Schulzeugnis für Häuser.

„Endreihenhaus mit zwei Geschossen in sehr attraktiver Lage!“ Auf den ersten Blick sieht die Online-Anzeige verlockend aus. Große Fensterfront, Kachelofen, Wintergarten, das Ganze zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis im Hamburger Nordosten. Da muss es doch einen Haken geben!

Tatsächlich findet man den Haken nur ein paar Scroll-Bewegungen weiter unter der Kategorie „Sonstiges“. „Energieeffizienzklasse: H“, steht dort. Fachleuten treibt dieser Buchstabe den kalten Schweiß auf die Stirn, bei Laien hingegen wirft er Fragen auf: H wie „hervorragend“? Oder doch eher „hoch“?

Energieausweis nach EnEV 2014: was die Werte bedeuten.
Setzen! Sechs!

Vielleicht hilft ein Vergleich: Effizienzklasse H ist für ein Haus das, was für einen Schüler eine Sechs in Mathe ist. Mit Tadel. Denn schlechter geht es nicht: Die Noten für Gebäude reichen von A+ (am besten) bis H (am schlechtesten). Zu finden sind sie im Energieausweis. Er ist seit einigen Jahren Pflicht für Hausbesitzer, die ihre Immobilie bzw. Wohnungen verkaufen oder vermieten wollen. Der Ausweis, auch Energiepass genannt, ist mit einem Schulzeugnis vergleichbar: Er gibt einen schnellen Überblick über den Energieverbrauch des Hauses und besagt, wo es im Vergleich zu anderen steht. Denn wer den Verbrauch kennt, kann auch die versteckten Kosten einer Immobilie einschätzen.

Wie viel Energie braucht das Haus? Und was kostet das?

Wichtig dafür ist neben der Buchstabenskala auch der Energiebedarf in Zahlen. Er muss im Ausweis und seit Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 auch in Immobilienanzeigen aufgeführt werden. So auch in der Annonce für unser Hamburger Reihenhaus: „Endenergieverbrauch: 254,5 kWh/(m²*a)“ steht darin, also Kilowattstunden pro Quadratmeter Fläche und Jahr. Bei einer Wohnfläche von 100 Quadratmetern ergibt sich ein Energieverbrauch von

254,5 kWh x 100 m² = 25.450 kWh pro Jahr.

Experten raten, diesen Wert mit dem Faktor 1,2 zu multiplizieren. Der Grund: Im Haus gibt es Flächen, die zwar nicht zur Wohnfläche gehören, aber teilweise mitbeheizt werden, etwa Keller oder Dachgeschoss. Bei unserem Haus ergibt das einen Gesamtwert von

25.450 kWh x 1,2 = 30.540 kWh pro Jahr.

Auf dieser Grundlage können sich Interessenten ausrechnen, wie hoch ihre Energiekosten circa ausfallen werden. Für das Reihenhaus in Hamburg würden Heizkosten um die 1.800 € anfallen.

Wo sollte nachgebessert werden?

In unserem Fall mag das Haus also relativ günstig sein, auf Dauer leiden durch seinen schlechten energetischen Zustand aber Umwelt und Geldbeutel. Der potenzielle Käufer sollte sich deshalb unbedingt schlaumachen, welche Maßnahmen nötig sind, um das Haus energetisch auf Vordermann zu bringen. Der Energieausweis enthält hierzu Empfehlungen. Auch hier gibt es Parallelen zum Schulzeugnis: Lehrer halten fest, wo sich der Schüler wie verbessern kann. Im Energieausweis steht in den „Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung“, wo am Haus nachgebessert werden sollte. Wie der Titel schon sagt, handelt es sich dabei aber lediglich um Vorschläge – sie verpflichten den Eigentümer nicht, die Besserungen tatsächlich vorzunehmen. Zum Leidwesen vieler Eltern ist es mit Empfehlungen im Schulzeugnis genauso.

Die im Ausweis empfohlenen Modernisierungsmaßnahmen sind grob gehalten. Ein Blick in den Energieausweis unseres Endreihenhauses zeigt sieben Ratschläge, darunter die Dämmung der Ostfassade, den Austausch der Heizungsanlage und den Austausch der einfachverglasten Fenster im Erdgeschoss. Bei fast allen Punkten hat der Aussteller „Empfohlen in Zusammenhang mit größerer Modernisierung“ angekreuzt – ein sicheres Indiz, dass eine Sanierung teuer wird. Angaben zur geschätzten Amortisationszeit und geschätzten Kosten pro eingesparte Kilowattstunde Endenergie sind freiwillig. In unserem Fall hat der Aussteller die Felder leer gelassen. Den Hinweis im Energieausweis „Modernisierungsempfehlungen (…) sind nur kurz gefasste Hinweise und kein Ersatz für eine Energieberatung“ sollte der potenzielle Käufer also ernst nehmen.

Wer braucht einen Energieausweis?

Die Bringschuld für den Energieausweis liegt bei Vermietern und Verkäufern. Nach der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) von Mai 2014 müssen sie schon in der Immobilienanzeige wesentliche energetische Kennwerte angeben. Bei der Besichtigung müssen sie den Energieausweis vorlegen und spätestens nach Vertragsabschluss dem Käufer oder Mieter übergeben. Einen Energieausweis braucht also jeder, der ein Haus neu baut, verkauft oder neu vermietet. Immobilienbesitzer, die ihr Wohneigentum selbst nutzen oder nicht neu vermieten, brauchen keinen Energieausweis. Allerdings kann der Energieausweis auch ihnen wertvolle Hinweise geben, wie Energie effizienter genutzt werden kann – beispielsweise durch Wärmedämmung – und wie sie langfristig viel Geld sparen können.

Wo bekomme ich den Energieausweis?

Dazu muss man wissen, dass für die Erstellung eines Energieausweises zwei Berechnungsmethoden in Frage kommen: die bedarfs- und die verbrauchsorientierte Ermittlung. Während beim Verbrauchsausweis der Energieverbrauch der vergangenen drei Jahre die Berechnungsgrundlage bildet, wird beim Bedarfsausweis der energetische Zustand des Hauses von einem Experten analysiert. Dazu zählen u. a. diplomierte Architekten und Bauingenieure, aber auch Handwerksmeister und Handwerker ohne Meistertitel, die über eine erforderliche Zulassung verfügen. Der hohe Aufwand schlägt sich im Preis nieder: Die Kosten für einen Bedarfsausweis liegen in der Regel im dreistelligen Bereich. Der Verbrauchsausweis ist bei ENTEGA schon ab 79 € zu haben und kann ganz einfach online bestellt werden.

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  1. Ich finde diesen Beitrag wirklich sehr hilfreich und ausführlich. Nun weiß ich was man unter einem Energieausweis auch wirklich versteht. Im Internet habe ich mich auch bereits umgesehen und bin auf einige interessante Sachen gestoßen.

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