EEG-Novelle

Zukunft Energiewende: EEG-Reform und Gabriels 10-Punkte-Plan

Am 1. August tritt das neue EEG in Kraft. Die wichtigsten Punkte haben wir kompakt zusammengefasst.

Begrenzung durch den „atmenden Deckel“

Mit dem neuen EEG rücken Wirtschaftlichkeit und Marktnähe bei Ausbau und Förderung regenerativer Energien verstärkt in den Vordergrund. Die bisherigen Einspeisequoten werden ersetzt bzw. ergänzt um das Prinzip des „atmenden Deckels“ sowie die verpflichtende Direktvermarktung von Ökostrom.

Der "atmende Deckel" sieht eine automatische Kürzung der Fördersätze vor, wenn die Gesamtleistung aller neuen Anlagen eine jährliche Grenze überschreitet: Diese liegt für an Land erzeugter Windenergie bei jährlich 2.500 Megawatt (MW), für Offshore-Windräder bei 6.500 MW bis zum Jahr 2020. Der Ausbau von Photovoltaik ist künftig auf 2.500 MW pro Jahr beschränkt, neue Stromeinspeisungen aus Biomasse auf nur 100 MW. Damit soll die Vergütung auf insgesamt zwölf Cent je Kilowattstunde im Schnitt sinken.

Trotz Förderkürzungen hält die Regierung am geplanten Ökostromanteil an der Versorgung fest: Von heute rund 27 Prozent soll er bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis zum Jahre 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen. Für das Jahr 2050 sind 80 Prozent angestrebt.

Umweltverbände und Ökostromproduzenten kritisieren, dass der „atmende Deckel“ den Ausbau regenerativer Energien bremst. Sie befürchten, dass neue EEG mache die Stromerzeugung durch klimaschädliche Kohlekraftwerke attraktiver. Dies wiederum gefährde das nationale Klimaschutzziel von 40 Prozent CO2-Reduktion bis zum Jahr 2020. Zusätzlich sorgt eine Länderöffnungsklausel für Kritik, mit der länderspezifisch höhere Abstände von Windkraftanlagen von Wohnbebauung möglich gemacht werden sollen. Einzelne Bundesländer können damit den Ausbau der Windkraft auf ihrem Territorium verhindern.

Direktvermarktung

Galt für Erzeuger bisher die Wahlfreiheit zwischen Direktvermarktung und fester Einspeisequote, sind Betreiber größerer Anlagen nach einer Übergangsfrist künftig verpflichtet, ihren Strom direkt zu vermarkten. Bei der Direktvermarktung erhalten sie die Einspeisevergütung abzüglich des monatlichen Durchschnittsbörsenpreises. Können sie ihren Strom so vermarkten, dass der Ertrag über dem durchschnittlichen Börsenpreis liegt, steigt ihr Erlös. EEG-Strom soll so nur dann am Markt angeboten werden, wenn er möglichst rentabel abgesetzt werden kann. Die bisher in Teilen schon angewandte Direktvermarktung wird schrittweise auf fast alle Anlagenbetreiber ausgeweitet, ab 2017 entfallen feste Einspeisevergütungen für neue Anlagen komplett.

Kritiker warnen, dass gerade kleinere und dezentrale Anlagen, die für die Umsetzung der Klimaziele wichtig sind, kaum mehr rentabel betrieben werden können und große Ökostrom-Erzeuger begünstigt werden. Zudem wären kleine Betreiber abhängig von Vermarktungsspezialisten. Durch die dafür anfallenden Kosten wären ihre Anlagen aber kaum mehr rentabel.

Nach Ansicht von ENTEGA sollten sich kleinere Erzeuger nicht abschrecken lassen: Die Direktvermarktungsspezialisten der ENTEGA beraten sie, wie sich auch mit den Vorgaben des neuen EEG Ökostrom rentabel vermarkten lässt.

EEG-Befreiung für produzierendes Gewerbe und Industrie

Die Beteiligung aller Unternehmen, auch des produzierenden Gewerbes, an der EEG-Umlage ist ein wesentliches Element der beabsichtigten Stabilisierung der Stromkosten.

Bislang waren Unternehmen, deren Stromkosten 14 Prozent der Bruttowertschöpfung betrugen, von der EEG-Umlage befreit. Die künftigen Grenzen werden von den neuen energiepolitischen EU-Leitlinien vorgegeben. Diese liegen für 68 Kernbranchen bei mindestens 16 Prozent, ab dem Antragsjahr 2015 bei 17 Prozent (so genannte Liste 1-Unternehmen). Für 151 weitere Wirtschaftssektoren müssen es mindestens 20 Prozent sein (Liste 2-Unternehmen). Als stromkostenintensiv gelten unter anderem Unternehmen der Metall-, Papier- und Chemieindustrie, Betriebe der Bereiche Lebensmittel, Bekleidung und Verpackung. Neu hinzugekommen ist die Recycling-Branche. Weggefallen sind allerdings zum Beispiel die Begünstigungen für Härtereien. Für bestehende Härtefälle gilt mittelfristig noch eine Art Bestandsschutz. Das Ziel der Bundesregierung ist die langfristige Stabilisierung des bisherigen Rabattrahmens für die Industrie von 5,1 Mrd. Euro.

Unklar ist weiterhin, ob Brüssel dem neuen EEG zustimmt. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia betonte, dass trotz grundsätzlicher Einigung, die Finanzierung der Ausnahmen als verbotene Staatshilfe gewertet werden könnte. Auch ist eine milliardenschwere Rückzahlung der EEG-Rabatte durch die begünstigte Industrie noch nicht vom Tisch.

ENTEGA berät Unternehmen, ob eine Befreiung bzw. Reduzierung von der EEG-Umlage möglich ist und unterstützt Betriebe auch bei der Bearbeitung der Anträge. Das ENTEGA Energieberatungsteam hilft gerne weiter!

Eingeschränktes Eigenstrom-Privileg

Bislang waren Anlagenbetreiber von der EEG-Umlage befreit, die Öko-Strom für den Eigenverbrauch erzeugt haben und deren Strom – mit Ausnahme von älteren Industrieanlagen – nicht durch das öffentliche Netz geleitet wurde. Ab dem 1. August werden diese über ein Stufenmodell beteiligt: Kleinanlagenbetreiber mit max. 10 Kilowatt Leistung auf dem Dach und einem Verbrauch von höchstens 10 MWh/a fallen unter eine Bagatellgrenze, sie sind auch weiterhin von der EEG-Umlage befreit. Alle anderen müssen bis Ende 2015 30 Prozent (entspricht zurzeit ca. 1,9 ct/kWh), bis Ende 2016 dann 35 Prozent und ab dem Jahr 2017 dauerhaft 40 Prozent (rd. 2,5 ct./kWh) der regulär fälligen EEG-Umlage zahlen. Ab 2017 wird auch die bis dahin geltende Regelung geprüft, nach der alte Anlagen Bestandsschutz genießen.

Damit wird, auf Druck von Brüssel, die Ungleichbehandlung von Alt- und Neuanlagen sowie privaten und gewerblichen Anlagen aufgehoben. Da sich immer mehr Unternehmen mit eigenen Anlagen aus der Finanzierung des EEG verabschiedet hatten, ist diese Neuregelung ein zweiter wichtiger Eckpfeiler der beabsichtigten Stromkostenentlastung.

Höhere oder geringere Belastung?

Die Bundesregierung hofft, dass durch die Novelle die EEG-Umlage bis zumindest 2017 stabil bleibt. Abhängig ist dies – paradoxerweise - vom Ausbau der regenerativen Energie: Je mehr Ökostrom erzeugt wird, desto größer das Stromangebot und desto niedriger der Börsenpreis. Da sich die EEG-Umlage aus der Differenz des Börsenpreises zur für 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung für erneuerbar erzeugten Strom errechnet, gilt: Je niedriger der Großhandelspreis, desto höher die EEG-Umlage.

Im Moment zahlt ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr knapp 260 Euro EEG-Umlage. Für 2015 wird mit einer EEG-Umlage zwischen 5,85 und 6,86 Cent für die Kilowattstunde gerechnet – liegt die Umlage am oberen Ende, steigt die Belastung entgegen der Absicht der Bundesregierung an.

Gabriels Zehn-Punkte-Plan – die Zukunft der Energiewende

In einer „10-Punkte-Energie-Agenda“ hat Wirtschaftsminister Gabriel kurz nach Verabschiedung des EEG-Gesetzes die weitere Zukunft der Energiepolitik aufgezeigt.

Ziel des Plans ist bessere Integration der Erneuerbaren Energien in den Strommarkt, eine deutlich gesteigerte Energieeffizienz sowie eine gesicherte Versorgung.

Kapazitätsmechanismen: Mit einem Gesetz soll 2016 festgeschrieben werden, wie Kohle- und Gaskraftwerke angesichts wachsender Ökostrom-Einspeisung auch in Zukunft profitabel laufen können. Nach seiner Ansicht sind diese Kraftwerke weiterhin für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit unverzichtbar.

Ausschreibung zur Förderung regenerativer Energien: Vor der Errichtung von Ökostromanlagen soll mittels Auktionen ermittelt werden zu welchem Fördersatz sich Projekte realisieren lassen. Erste Pilotprojekte sollen bereits im Herbst 2014 starten. Steigerung Energieeffizienz: Im Rahmen eines Aktionsplans „Energieeffizienz“ soll eine "ganzheitliche Gebäudestrategie" zur deren energetischer Modernisierung beschlossen werden. Dazu gehören u.a. der energiesparendere Einsatz von Anlagen und Maschinen sowie die effizientere Nutzung der Heizwärme. Mit dem Aktionsplan sollen auch Teile der EU-Energieeffizienz-Richtlinie umgesetzt werden.

Auch ENTEGA sieht in einer ganzheitlichen und nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz das Mittel der Wahl um die Energiekosten eines Unternehmens langfristig zu senken. Kosteneinsparungen durch eine optimale Energiebeschaffung, durch Modernisierung etwa der Heizung oder Einsatz einer effizienten Beleuchtung oder durch die Analyse des eigenen Energieverbrauchs sowie dessen Optimierung durch das ENTEGA-Energiemanagement-Portal, reduzieren die Mehrbelastungen, die mit der EEG-Novelle auf viele Unternehmen zu kommen, deutlich. Nutzen Sie die Kompetenz des ENTEGA Beratungsteams und lassen Sie sich zum Thema Energieeffizienz, Energiemonitoring und Kosteneinsparungen beraten.

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Gerne beraten wir Sie individuell zu den für Sie relevanten Neuerungen der EEG-Novelle. Für ein unverbindliches Gespräch kontaktieren Sie einfach Ihren Kundenbetreuer. Gerne halten wir Sie auch in weiteren Newslettern über Detailregelungen zur EEG-Novelle auf dem Laufenden.

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