2. August 2012
Familie Klimaschutz

Sag mal, Michael…

Blöchingers in der Nahaufnahme – Familie Klimaschutz steht in Einzelinterviews Rede und Antwort. Folge 4: Michael, 51, Netzwerkingenieur.

Du bist mitverantwortlich für zwei Kinder. Wirkt sich das auf Deine Einstellung zu Klima und Umweltschutz aus?

Ich habe schon immer großes Interesse an Umweltfragen gehabt – und zwar bereits zu Zeiten, als diese Themen noch nicht die Schlagzeilen bestimmten. Deswegen war von Anfang an klar, dass Dominic und Sophie im gleichen Sinn erzogen werden sollen. Barbara und ich versuchen, bei beiden ein Bewusstsein für Umweltschutz zu wecken. Das fängt bei kleinen Dingen wie der Mülltrennung an und hört bei intensiven Gesprächen um globale Klimaveränderungen noch lange nicht auf.

Als Ihr die Entscheidung getroffen habt, Euer Haus zu kaufen – gab es da bereits konkrete Überlegungen zur Energieeffizienz und zum Umweltschutz?

Ja, aber ganz unabhängig von der Kaufentscheidung. Wie bereits gesagt, spielte Umweltschutz in unserer Familie schon immer eine wichtige Rolle. Als wir dann hier eingezogen sind, habe ich gleich geguckt, wie man mit möglichst wenig Aufwand schnell Energie – und damit auch Geld – sparen kann. Zum Beispiel habe ich bereits nach wenigen Tagen die Warmwasserbereitung von mechanischer auf elektronische Regelung umgestellt. Das belastete zwar anfangs gehörig das Budget, hat uns aber inzwischen viel Geld gespart.

Was würdest Du jemandem raten, der ein Haus bauen oder erwerben will?

Im Grund das gleiche, was jetzt bei uns gemacht wird: Gucken, dass die Heizung auf den modernsten Stand der Technik kommt, die Fenster nach neuesten Richtlinien aussuchen und eine Außendämmung aufbringen. Wenn dies dann ordentlich geplant und durchkalkuliert wird, ist langfristig Geld gespart, obwohl man es kurzfristig zunächst ausgeben muss.

Seit einigen Tagen sind die Umbaumaßnahmen voll im Gang. Läuft alles so, wie Ihr es Euch vorgestellt habt?

Da ich selbst Handwerker bin, hatte ich schon eine vage Vorstellung davon, wie die Sanierung ablaufen kann. Was mich allerdings überrascht, ist die Geschwindigkeit, in der hier alles passiert. Hätte ich dies alles selbst organisieren müssen, wären wir sicher noch längst nicht so weit.

Hast Du das Gefühl, dass der Umbau gut vorbereitet und ordentlich organisiert ist?

Uneingeschränkt: Ja! Wenn man wie ich ein bisschen Ahnung von Abläufen hat, merkt man schnell: Da sind Profis am Werk, deren tägliches Geschäft es ist, Fenster zu wechseln, Wände zu dämmen und Leitungen zu legen. Ich wage mir gar nicht auszumalen, was schon alles schief oder zumindest langsamer gelaufen wäre, wenn wir bei der Sanierung nicht so kompetent unterstützt würden.

Wie sehr greift der Umbau derzeit in den Tagesablauf der Familie Klimaschutz ein?

Ganz gewaltig. Wenn den ganzen Tag über Handwerker im Haus sind, musst Du alles andere unterordnen. Das fängt beim Frühstück an, wo man nie weiß, ob nicht gleich der Elektriker oder der Fensterbauer klingelt, und hört nach dem Abendessen noch lange nicht auf, weil dann immer noch irgend etwas aufzuräumen oder vorzubereiten ist.

Heißt das, der Umbau ist für Dich und die übrigen Familienmitglieder anstrengend?

Ja und Nein zugleich. Ja – weil wir uns bemühen, es den Handwerkern so angenehm wie nur möglich zu machen. Das reicht vom Frühstück über das gemeinsame Mittagessen bis zum frisch gebackenen Kuchen, den wir am Nachmittag servieren. Nein – weil wir uns ja genüsslich zurücklegen können. ENTEGA kümmert sich um die Bauleitung, die Handwerker machen ihre Arbeit – und wir können zugucken, wie allmählich alles so wird, wie wir es uns immer gewünscht haben.

Als Energieanlagenelektroniker mit mehreren Ausbildungen und Gesellenbriefen bist Du technisch bewandert. Wenn Du mal betrachtest, was jetzt an Eurem Gebäude eingebaut wird – fasziniert Dich das?

Ja – und wie. Einiges kenne ich zwar aus meinem beruflichen Alltag, aber vieles ist mir doch völlig neu. Ich bewunderte zum Beispiel, mit welcher Präzision die Fensterbauer Türen und Fenster gewechselt und wie gründlich die Tiefbauer einen Durchbruch in der Kellerwand anschließend wieder abgedichtet haben. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die mir das Gefühl geben: Hier wird nicht nur hundertprozentig, hier wird mindestens hundertfünfzigprozentig gearbeitet.

Spätestens seit das Haus eingerüstet ist, können es alle sehen: Bei Familie Klimaschutz geht es rund. Interessiert es Nachbarn, was in Eurem Haus geschieht? Fragen sie auf der Straße nach oder kommen sie sogar zu Besuch, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren?

Unsere direkten Nachbarn hatten Glück, ohne dass wir es abgesprochen haben: Als die Baumaßnahmen begannen, sind sie in Urlaub gefahren. Mittlerweile sind sie wieder daheim und interessieren sich schon dafür, was bei uns alles gewerkelt wird. Auch Freunde und Bekannte aus Finthen, die das Projekt aus der Zeitung oder von der Homepage her kennen, sprechen uns auf der Straße an oder gucken schon mal rein, wenn sie zufällig am Haus vorbeilaufen. Dass wir allerdings regelrecht „begafft“ werden, das kann ich – glücklicherweise – nicht sagen.

Was glaubst Du, wie sich Euer Leben nach einem Jahr Familie Klimaschutz verändern wird?

Es wird für uns weit angenehmer werden als vorher. All das, was an und in unserem Haus passiert, trägt nicht nur dazu bei, Energie – und damit unser Geld – zu sparen, sondern steigert auch den Wohnwert. Ich bin fest überzeugt: Nach dem Ende des Projektes Familie Klimaschutz ist es bei uns kuscheliger, als wir uns das je vorgestellt haben. Und wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie getroffen hätten.

Du bist Mitglied bei der NLUK, einer Gruppierung, die sich um Natur- und Umweltschutz auf Kreta kümmert. Wie kommt ein Mainzer dazu, sich für die Inselwelt Griechenlands zu engagieren?

Griechenland hat mich schon von Kind an interessiert. Vor etwa vier Jahren bin ich beim Surfen im Netz zufällig auf diese Gruppe gestoßen. Deren Ziele haben mich sofort überzeugt, also bin ich kurz darauf dem Verein beigetreten. Inzwischen gehöre ich dem Vorstand des Vereins an, der übrigens der erste und einzige deutsche Umweltverein ist, der nach kretischem Recht eingetragen ist.

Wie wichtig waren persönliche Erfahrungen bei Deiner Entscheidung für dieses Engagement?

Wie so oft haben auch hier Menschen den Ausschlag gegeben. Wir waren schon immer offen gegenüber anderen; und zwar sowohl fremden Personen als auch anderen Kulturen gegenüber. Viele Mitglieder des Vereins sind inzwischen zu guten Freunden geworden. Dies erleichtert die Arbeit und macht ungeheuer viel Freude.

Lass uns zum Abschluss gemeinsam ein bisschen in die Zukunft gucken.
Wenn Du an das Jahr 2050 denkst: Glaubst Du, dass der Globus bis dahin noch zu retten ist?

Wenn ich einen Wunsch hätte, dann wäre es exakt dieser. Doch wenn ich eine realistische Einschätzung abgeben soll, wird mir schon ein bisschen bange. Wir Menschen müssen uns anstrengen und vielleicht auch einschränken, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft meistern wollen. Was ich dazu beitragen kann, will ich gerne tun.

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