2. Juni 2012
Familie Klimaschutz

Sag mal, Barbara…

Blöchingers in der Nahaufnahme –Familie Klimaschutz steht in Einzelinterviews Rede und Antwort. Barbara, 46, gelernte Drogistin, zertifizierte Tagesmutter.

Seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Klimaschutz?

Klimaschutz spielt für mich eine größere Rolle, seit das Thema in Dominics zweitem Schuljahr behandelt wurde. Seine Fragen haben mich damals stark interessiert, weil schon in meinem Elternhaus auf Umweltschutz geachtet wurde. Meine Eltern trennten Müll, als es noch nicht üblich war, und kauften Getränke lieber in Glas- als in Plastikflaschen. Bereits als Kind lernte ich: Auch mit kleinen Schritten kann man viel erreichen, wenn möglichst viele sie gleichzeitig tun. So hat mich meine Mutter zum Beispiel immer mit Plastikbehältern zum Einkaufen geschickt, damit die Verkäufer Verpackungsmaterial einsparen konnten.

Engagierst du dich aktiv für eine lebenswerte Umwelt?

Ich glaube, ich darf sagen: „Ja!“ Dabei sind es vor allem die kleinen Dinge, mit denen wir Wirkung erzielen wollen: Im Haushalt trennen wir den Müll konsequent und schalten Elektrogeräte immer dann vom Netz, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Beim Spaziergang unterwegs heben wir auch schon mal weggeworfenen Müll anderer auf und entsorgen ihn am nächsten Papierkorb. Oder wir sammeln Tannenzapfen ein, die wir als Feueranzünder nutzen. Das alles passiert nicht unter selbst auferlegtem Zwang, sondern wir haben Freude daran.

Was genau bringt dich dazu, dich klima- und umweltschonend zu verhalten?

Ich bin als gelernte Drogistin mit den Zusammenhängen in der Natur vertraut. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass die Umwelt intakt bleibt und nicht aus den Fugen gerät. Und da der Mensch nun mal der größte Feind der Umwelt ist, müssen wir Menschen dafür sorgen, dass es nicht zur Klimakatastrophe kommt. Dies sind wir nicht nur uns, sondern insbesondere unseren Kindern und Enkelkindern schuldig.

Was waren deine Erwartungen an das Projekt „Familie Klimaschutz“?

Als ich zum ersten Mal davon hörte, war ich schnell begeistert – wenngleich ich nicht zu hoffen wagte, dass wir ausgewählt werden. Jetzt, wo es soweit ist, bin ich neugierig auf die Ideen und Impulse von ENTEGA, wie wir uns im Alltag noch umweltbewusster verhalten können. Ich freue mich auf all die Kleinigkeiten, die leicht umzusetzen sind, ohne dass sie die Lebensqualität maßgeblich beeinträchtigen. Und nicht zuletzt finde ich es natürlich toll, dass ENTEGA die energetischen Maßnahmen an unserem Haus nicht nur plant, sondern auch umsetzt – und bezahlt. Einen Teil des Geldes, das wir dadurch sparen, wollen wir in Umweltprojekte und Tierschutz stecken, für die wir uns jetzt schon ehrenamtlich engagieren.

Wurden deine Erwartungen an das Projekt bisher erfüllt?

Die Frage kommt eigentlich noch viel zu früh. Konkret ist ja noch nichts passiert an unserem Haus, da geht es mit der Dämmung demnächst richtig los. Und eine Reihe der Impulse, die von ENTEGA-Experten gegeben wurden, liefen ins Leere – weil wir sie bisher schon beachtet haben. Deswegen sind wir neugierig auf neue Ideen. Zum Beispiel die, dass wir zurzeit eine ganze Woche vegetarisch leben. Das finden wir spannend, selbst wenn es nicht ganz einfach fällt, die Woche durchzuhalten.

Wie reagierten Freunde und Bekannte, Nachbarn und Kollegen darauf, dass ihr ausgewählt wurdet?

Die Reaktionen reichten von ehrlicher geteilter Freude und großer Zustimmung bis hin zu – ich will es mal vorsichtig ausdrücken – freundschaftlichem Neid. Der größte Teil der Menschen, mit denen wir beruflich und privat zusammen sind, hat uns jedoch beglückwünscht. Dazu zählen auch solche, die wir bisher noch nicht kannten und die uns beim Bäcker, im Supermarkt oder auf der Straße ansprechen. „Ei, Sie sinn doch die, die wo ihr Heisje saniert kriehn.“ „Ja, das sind wir“, sagen wir dann gern – und schon sind wir mitten im Gespräch mit Menschen, die wir sonst vielleicht nie kennengelernt hätten.

Zur Berichterstattung über Umweltschutz generell und das Projekt Familie Klimaschutz im besonderen: Glaubst du, dass damit eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen zu erreichen ist?

Davon bin ich fest überzeugt. Ich erwarte zwar keine radikale Umkehr im Verhalten der Leute, die sich für die ENTEGA-Aktion interessieren. Aber ich spüre schon, dass sich das Bewusstsein von manch einem verändert. Seit der ersten Veröffentlichung in der Zeitung und im Internet bin ich für einige so etwas wie eine „Klima-Expertin“ geworden. Die Leute fragen mich, wie wir bestimmte Dinge im Haushalt machen. In den Gesprächen, die sich daraus entwickeln, ist deutlich herauszuhören: Viele wollen wissen, was sie verändern können, um beim Klimaschutz mitzuhelfen.

Wie wird das Thema Klima- und Umweltschutz in den Medien behandelt? Zu viel, zu wenig, zu kompliziert, zu banal?

Da liegt noch einiges im Argen. Das Thema hat noch nicht den Raum, der ihm eigentlich zusteht. Wenn das Klima kippt, gerät der Globus ins Trudeln. Ich würde mir daher wünschen, dass die Medien ihren Lesern und Zuschauern noch weit mehr konkrete Tipps dazu geben, was jeder Einzelne machen kann, um sich an der Rettung des Klimas zu beteiligen. Es ist zwar alles irgendwo schon einmal gezeigt oder geschrieben worden, aber es muss ständig wiederholt werden, damit es in den Köpfen der Menschen haften bleibt. Deswegen gilt: Lieber öfter kleine konkrete Schritte empfehlen und zur Nachahmung anregen als das Thema nur sporadisch groß aufzupusten – und danach wieder der Versenkung preiszugeben. Steter Tropfen höhlt den Stein, selbst wenn der Tropfen noch so klein.

Hand aufs Herz: Verhältst du dich immer absolut klimafreundlich?

Nein, natürlich nicht! Dann müssten wir uns ja wieder in Felle kleiden und im Freien ums Feuer scharen. Ich gebe gern zu: Manchmal ist es Unwissenheit, manchmal Bequemlichkeit, mitunter auch Gewohnheit, die dazu führt, dass wir mehr Energie und Rohstoffe verbrauchen als unbedingt nötig. Ich gebe gern ein Beispiel: Zurzeit leben wir eine Woche vegetarisch. Diesen Selbstversuch werden wir abbrechen, sobald die sieben Tage vorüber sind, weil wir uns alle riesig auf ein Stück Fleisch freuen.

Als Ehefrau und Mutter bist du häufiger in der Küche als die übrigen Familienmitglieder. Wo siehst du hier Spielraum für Energieeinsparung?

Es sind wie so oft die einfachen Dinge: Den Kühlschrank gut sortieren und nur öffnen, wenn man vorher weiß, was man rausholen will. Die Spülmaschine optimal bestücken, flüssiges Spülmittel einfüllen statt Tabs und nach Möglichkeit nur kurz laufen lassen. Und wenn ein neues Gerät gekauft werden soll, vorher zwei Dinge überlegen: Brauchen wir das wirklich? Und wenn ja, welches ist das energieeffizienteste Gerät?

Was fällt Dur zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz ein?

All das, was ich schon genannt habe: Kühlschrank und Geschirrspüler optimal bestücken, im Backofen und der Mikrowelle gemeinsam garen, Wasser im Wasserkocher vorheizen, beim Garen Deckel auf den Topf setzen. Das alles hat allerdings seine Grenzen dort, wo Lebensqualität leidet. Nur Nudeln und Pesto oder Kürbis und Körner geht bei uns auf Dauer gar nicht.

Was glaubst du, was sich nach einem Jahr als Familie Klimaschutz verändert hat?

Zunächst einmal freue ich mich auf die baulichen Veränderungen im Haus: Wir werden es im Winter wärmer und im Sommer kühler haben als bisher – und dabei auch noch Geld sparen. Über das rein Finanzielle hinaus wird es aber auch – und dies spüren wir jetzt schon – einen erzieherischen Effekt geben. Wir werden die Ideen, die wir während des Jahres zum Klimaschutz erhalten, im Alltag umsetzen und ständig neu diskutieren. Ich hoffe und wünsche, dass wir unser ganzes Leben lang von dem einen Jahr als Familie Klimaschutz profitieren.

Wenn du an die Zukunft denkst: Glaubst du, dass der Globus bis 2050 noch zu retten ist?

Glauben kann ich es im Moment noch nicht richtig, aber hoffen tue ich es natürlich ganz intensiv. Allerdings müssen sich dafür einige Dinge drastisch ändern. Da ist jeder Einzelne gefordert, vor allem aber die Entscheider in Politik und Wirtschaft. Nur wenn es gelingt, weltweit zu Übereinstimmungen zu kommen und diese nicht nur zu fordern, sondern sie auch umzusetzen, wird unsere Erde noch zu retten sein. Industrieländer wie Deutschland tragen hierfür eine besonders hohe Verantwortung. Jeder Einzelne von uns muss seinen Beitrag dazu leisten – und ist mit schuld, wenn es schiefgeht.

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