2. August 2012
Familie Klimaschutz

Der Laden wird dicht gemacht!

Dämmung, Fenster, Heizung, Solaranlage – Gebäudeenergieberater Martin Stollberg erläutert die wichtigsten Schritte.

Das Sommerloch fällt dieses Jahr aus – denn langweilig wird es den Blöchingers während der nächsten Wochen sicher nicht. Die Energieeffizienzexperten von ENTEGA haben sich daran gemacht, ihrem Haus das Sparen beizubringen – rund 75% weniger Energieverbrauch ist das Ziel.

An der Fassade wächst ein Gerüst empor, die Handwerker geben sich die Klinke in die Hand – es ist viel los bei Familie Klimaschutz. Ungefähr sechs Wochen wird es dauern, bis die energetische Modernisierung – Höhepunkt auf Blöchingers’ Weg zur Klimaneutralität – abgeschlossen ist. Aber schließlich kommt eine Einsparung von rund drei Vierteln des bisherigen Verbrauchs, so das erklärte Ziel, nicht von allein. Wer genau wissen will, was passiert, fragt am besten Martin Stollberg: der Gebäudeenergieberater der ENTEGA Energieeffizienz GmbH & Co. KG hält alle Fäden in der Hand. Seine kurze Antwort wäre: neue Fenster, neue Heizung, Fassaden- und Kellerdecken-Dämmung, Photovoltaik Anlage. Aber um einen Eindruck davon zu vermitteln, was damit alles verbunden ist, muss Stollberg schon etwas weiter ausholen:

Südwestliche Dachausrichtung –
Sonne satt für die Photovoltaik-Anlage.

Die Fassade wird dicker – der Energieverbrauch schlanker.

Die Außenwände bekommen ein wenig Speck auf die Rippen: 16 Zentimeter dicke Platten aus Polystyrol. Dieser styroporartige aufgeschäumte Kunststoff gehört zu den beliebtesten Dämm-Materialien, erklärt Martin Stollberg. Die Platten werden auf die Fassade geklebt und gedübelt, anschließend wird die Wand mit eingefärbtem Putz versehen. Zusätzlich bekommt das Haus noch eine warme Einlege-Sohle: die Kellerdecke wird gedämmt, damit im Winter die Kälte auch von unten nicht eindringen kann. Ein angenehmer Nebeneffekt: Durch die Dämmung bleibt auch die Hitze draußen, die Innenräume bleiben im Sommer angenehm kühl.

Die neuen Fenster: dreifach verglast, dreifach dicht.

Ein gutes Fenster gibt den Blick nach draußen frei – und sonst nichts. Insbesondere die Wärme bleibt drin. Die neuen Fenster der Blöchingers haben einen Wärmedurchgangs-Koeffizienten von 0,82, die Verglasung alleine sogar nur 0,6. Das ist Passivhaus-Standard, sagt Martin Stollberg, besser geht es im Moment fast nicht. Zum Vergleich: bei den alten Fenstern lag dieser Wert bei 2,5. Die Nachfolger sind also nicht nur dreifach verglast, sondern auch drei Mal so dicht.

ENTEGA Experte Martin Stollberg

Ein umgekehrter Kühlschrank – die neue Wärmepumpe

Die Tage von Blöchingers alter Ölheizung sind gezählt. Höchste Zeit, denn Öl ist als Heizenergieträger denkbar ineffizient. Günstiger – und CO2-ärmer – ist da schon eine moderne Gasheizung. Aber die Blöchingers heizen in Zukunft mit einem Rohstoff, der gar nichts kostet: Luft. Ihre neue Luft-Wasser-Wärmepumpe funktioniert genauso wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Ein Kühlschrank entzieht der Luft in seinem Inneren die Wärme und gibt sie nach draußen ab. Die Wärmepumpe hingegen entzieht der Luft außerhalb des Hauses die Wärme und gibt sie nach innen ab, um damit das Wasser für die Heizung zu erhitzen. Dieses Prinzip funktioniert auch, wenn es draußen gar nicht warm ist. Erst wenn die Temperaturen in den zweistelligen Minusbereich fallen, muss ein integrierter Heizstab nachhelfen. Im Jahresdurchschnitt wird die Wärmepumpe für die Menge elektrischer Energie, die in den Betrieb gesteckt wird, die dreifache Menge Wärmeenergie abgeben –eine hervorragende Ausbeute.
Umso besser noch fürs Klima, wenn die Anlage, wie bei Blöchingers, mit CO2-frei erzeugtem Ökostrom betrieben wird. Trotzdem – eine Wärmepumpe ist nicht immer automatisch die beste Lösung. Martin Stollberg erklärt warum: „Hier ist die Pumpe sinnvoll, weil wir gleichzeitig ordentlich dämmen, das Haus wird also kaum Wärme nach draußen verlieren. Aber wenn ein Gebäude schlecht gedämmt ist, kann eine Wärmepumpe überfordert sein. Dann muss man zu viel Energie hineinstecken und der Betrieb lohnt sich nicht mehr. In so einem Fall wäre man zum Beispiel mit einem guten Gas-Brennwert-Kessel besser beraten.“ An diesem Beispiel wird einmal mehr deutlich, wie wichtig bei der Energieeffizienz eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist. Eine Standardlösung gibt es nicht, was zählt ist das Gesamtpaket von sinnvollen Maßnahmen.

Die Photovoltaik-Anlage: 16 Quadratmeter eigenes Kraftwerk

Energie nur einzusparen ist aber längst noch nicht alles – Blöchingers werden bald auch selbst eigene Energie produzieren. Dafür wird eine Photovoltaik-Anlage mit zehn Paneelen auf dem Dach installiert, ein gut 16 Quadratmeter großes Ökostrom-Kraftwerk. Den erzeugten Strom kann die Familie selbst verbrauchen oder – wenn gerade zu viel davon produziert wird – ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Dafür gibt es eine ordentliche Vergütung. Ungefähr 30 Prozent weniger Strom werden die Blöchingers pro Jahr in Zukunft kaufen müssen.

Welche Dachausrichtung hat Familie Klimaschutz? Hier muss Martin Stollberg zum ersten Mal selbst nachfragen: Süd-West ist es, hilft Mutter Barbara. Fast ideal also, nur eine reine Südausrichtung wäre noch besser. Dafür ist der Neigungswinkel des Daches mit 30 Grad perfekt. Zumindest für eine Photovoltaik-Anlage, ergänzt Stollberg – bei Solarthermie sähe es schon wieder anders aus: Im Gegensatz zur Photovoltaik, die den größten Ertrag erzielt, wenn die Sonne im Sommer hoch steht, wird durch eine Solarthermie-Anlage kein Strom erzeugt sondern Wasser erwärmt, zum Heizen und fürs Bad. In diesem Fall will man die größte Wirkung im Frühjahr und Herbst erzielen. Weil die Sonne zu dieser Zeit aber niedriger steht als im Sommer, ist der ideale Dachneigungswinkel für eine Solarthermieanlage mit circa 60 Grad wesentlich steiler.

Ein ganzes Ensemble von Spezialisten – aber nur ein Dirigent

Auch das eine interessante Detail-Information, die Blöchingers aber eigentlich gar nicht wissen müssten. Denn dafür gibt es schließlich Herrn Stollberg. Er achtet darauf, dass alles seine Richtigkeit hat – und ist gleichzeitig Chefdirigent eines Ensembles von Spezialisten: Immerhin sieben Partner-Firmen arbeiten gemeinsam mit der ENTEGA Energieeffizienz am Haus der Blöchingers. Für jeden Bereich gibt es Fachleute – vom Ausbau und der Entsorgung des alten Öltanks bis zum Fensterbau und Fassadenanstrich. Stollberg sorgt dafür, dass die Arbeit der knapp 20 Handwerker reibungslos ineinandergreift. Für Blöchingers ist er der einzige Ansprechpartner. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die den Energieeffizienz-Experten trotzdem nicht aus der Ruhe bringt. „Klingt vielleicht kompliziert, aber wenn man es oft genug gemacht hat, ist es kein Hexenwerk“ erklärt Stollberg – und schmunzelt: „Wenn es ihnen auf der Baustelle zu hektisch wird, könnten die Blöchingers auch entspannt in den Urlaub fahren. Sie wüssten ja, wer sich um alles kümmern würde.“

Koordiniert und packt oft selbst
mit an: M. Stollberg

Auch für seinen Chef Witold Kreutz, Geschäftsführer der ENTEGA Energieeffizienz GmbH & Co KG, ist das ein ganz wesentlicher Punkt: „Die Möglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz sind so vielfältig, dass man als Laie leicht den Überblick verlieren kann. Deswegen ist unsere wichtigste Mission, den Leuten das Energiesparen so einfach und bequem wie möglich zu machen.“Trotzdem fahren die Blöchingers nicht in den Urlaub – sie wollen lieber alles genau mitverfolgen. Schließlich ist ihnen bewusst, dass das, was gerade hier passiert, ein bedeutender Schritt ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ganz Deutschland. Denn die energetische Sanierung des alten Gebäudebestands ist einer der wichtigsten Hebel um bundesweit Energie zu sparen – und so die Energiewende und die Einhaltung der anvisierten Klimaschutz-Ziele möglich zu machen. Im Moment läuft es noch recht schleppend: Pro Jahr wird nur circa ein Prozent des Gebäudebestands saniert. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird also ein Jahrhundert vergehen, bis diese gewaltige Aufgabe bewältigt ist. Und im Vergleich dazu wirken die sechs Wochen Umbauzeit bei Blöchingers plötzlich doch gar nicht mehr so lang.

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