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Reaktionen auf die Schneemann-Demo

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Autor: GAB | VERSTEHEN
geschrieben vor etwa 1 Monat

Seit dem letzten Wochenende gab es zahlreiche Reaktionen auf die Schneemann-Demo im Herzen Berlins. Viele Reaktionen waren zustimmend, betonten die Originalität und Schönheit der Aktion, die weitreichende Relevanz der Probleme, auf die die Aktion aufmerksam machen wollte. Ein Blogger schrieb: „Ich habe selten so viele fröhliche Menschen auf einem Fleck gesehen, was für Berlin schon was heißen will. Ich habe auch noch nie so viele kreative Schneemänner und -frauen auf einem Haufen gesehen. Der blaue Himmel und die Kulisse von Dom und Fernsehturm dazu..." Andere Stimmen waren - wie es ganz normal ist in solchen und anderen Fällen - kritisch, setzten sich mit der Aktion, den Ausdrucks- und Kommunikationsmitteln der Kampagne, den Veranstaltern auseinander. Und eben das war und ist beabsichtigt mit der Schneemann-Demo: Sie soll zu einem kritischen Dialog über den Klimawandel und daraus folgende Handlungsoptionen einladen. Gewiss: Es handelt sich um eine von ENTEGA ermöglichte Aktion, die dem Unternehmen Möglichkeit verschaffen sollte, seine Anliegen und unternehmerischen Ansätze in Bezug auf den Klimawandel und die Energiepolitik zu kommunizieren. Aber das ist nur das eine. Andererseits nämlich soll die Aktion einladen, diese Ansätze zu verhandeln, sie soll eine offene Diskussion ermöglichen. Dafür gibt es im Rahmen der Aktion die Möglichkeit bei facebook und Twitter. Diese Bereitschaft zur Offenheit haben nicht zuletzt die Podiumsdiskussionen während der Veranstaltung gezeigt, an denen neben Holger Mayer, Vorstandsmitglied bei ENTEGA, auch kritische Stimmen wie der Journalist Toralf Staud oder Matthias Kopp vom WWF teilgenommen haben. Auch kann es hier nicht darum gehen, eine „Kritik der Kritik" vorzunehmen, sondern lediglich darum, Stimmen zu sammeln und zu hinterfragen.

Am 22. Januar berichtete die taz über die Schneemann-Demo und titelte: „Stromanbieter tarnt Werbeaktion als Demo." In dem Artikel heißt es dann: „ENTEGA ist ein hessischer Stromanbieter, die Schneemänner sind aus Kunstschnee, und die Demonstration gegen den Klimawandel ist keine. Zumindest nicht, soweit die Polizei weiß." Alles korrekt: ENTEGA ist ein Energieunternehmen. Die Schneemänner waren aus Kunstschnee. (Dass das hinsichtlich der Öko-Bilanz problematisch ist, weiß der Veranstalter und hat es von Anfang an kommuniziert.) Und auch eine tatsächliche Demonstration war es nicht, wovon man nicht durch etymologische Betrachtungen ablenken muss. Auch haben die Veranstalter - schon lange bevor die taz auf diese Idee gekommen ist - tatsächlich bei der Berliner Polizei nachgefragt, ob diese Art von Demo ein Fall für die Versammlungsstättenverordnung (ja, so heißt das) sei und demnach angemeldet werden müsse. Angesichts der immobilen Teilnehmer indessen (Schneemänner aus Schnee, nicht aus Fleisch und Blut - wie es sich gehört) hat die Berliner Polizei davon abgesehen, die Veranstaltung als Demo einzustufen. Insofern stimmt auch das: Es handelte sich nicht um eine „richtige Demo". Nur lässt sich daraus tatsächlich folgern, die Menschen seien hier verschaukelt worden? Und hat ENTEGA sich tatsächlich versteckt? Hat tatsächlich ein Besucher den Eindruck bekommen können, getäuscht worden zu sein? Ist nicht ENTEGA als Ermöglicher von Anfang an kommuniziert worden? Hat sich jemand darüber gewundert, dass eine „Schneemann-Demo" „keine richtige Demo" ist, die Schneemänner „keine richtigen Männer", die Unter den Linden oder sonstwo mit Transparenten demonstrieren? Wir wissen nicht, ob sich jemand „getäuscht" gefühlt hat - aber wir vermuten, dass es nicht der Fall war. Wie immer man zu solchen Aktionen im Allgemeinen und im Besonderen stehen mag (und selbstverständlich darf man sie kritisch sehen, kritisch beurteilen), dass ENTEGA sich versteckt habe, kann man nicht ernsthaft behaupten. ENTEGA tauchte von Anfang an überall auf als Ermöglicher der Aktion: auf den Plakaten, in den sozialen Medien des Internets wie Twitter und Facebook, auf der Homepage (die hat die Adresse www.entega.de/denkanstoesse) etc. Und dass angesichts der angekündigten Schneemann-Demo niemand mit einer Demo gerechnet hat, wie man sie etwa als Gewerkschaftsdemonstration kennt, auch das halten wir für einigermaßen wahrscheinlich. In einem Blog jedenfalls war zu lesen: „Bei einem 'Missbrauch' des Wortes 'Demo' verstehen die von der taz keinen Spass. Aber 'getarnt'? Sorry, liebe taz, wie hätte man es noch offensichtlicher machen können?" Und weiter: „Die ENTEGA machte auf Erderwärmung und Klimawandel aufmerksam, ohne politische Forderungen... und warb von mir aus für 'seinen Ökostrom'. Aber dies geschah vollkommen transparent."

Aber diese Kritik ist vielleicht in gewisser Hinsicht ein Nebenschauplatz, wahrend der Hauptschauplatz die Fragen sind, die sich an ENTEGA selbst richten: die Unternehmensstruktur, die Anteilseigner etc. Einer der Eigentümer ist - mittelbar - E.ON. Nur geht Entega auch damit sehr offen um, wie nicht nur die Podiumsdiskussionen zeigen, an denen Holger Mayer sehr regelmäßig teilnimmt. In einer Diskussion im Rahmen der Schneemann-Demo hat es Mayer jetzt erst wieder zum Ausdruck gebracht: Ja, man müsse einen Teil seines Gewinns an E.ON abführen. Was mit diesem Geld passiere, darauf habe man keinen Einfluss. Was aber mit dem im Unternehmen ENTEGA verbleibenden Geld passiere, das entscheide man ohne E.ON. Und die Entscheidung von ENTEGA laute: kein Verkauf von Strom aus dem Mainzer Kohlekraftwerk und kein Verkauf von Atomstrom, dafür ein offensives Engagement für erneuerbare Energien.

Bisweilen mutet die Kritik an der Aktion und dem Unternehmen ENTEGA so an, als wollte man sagen: „Was schlecht war, muss schlecht bleiben, um authentisch zu sein. Was schlecht war und besser werden will, wird inauthentisch und betreibt Camouflage." Was folgte aber daraus? Dass alles so schlecht bleiben muss, wie es war und ist, damit die Lage klar und übersichtlich bleibt? Die ENTEGA jedenfalls geht offen mit ihrer Vergangenheit und eigenen Fehlern um. Auch damit, dass man sich auf dem Weg befindet, dass es noch vieler Schritte in Richtung Nachhaltigkeit bedarf, bis man dort angelangt ist, wo man hin möchte. Um es deutlich zu sagen: Kritik ist erlaubt und erwünscht. ENTEGA sucht nicht kritische Stimmen zu ignorieren, sondern das Unternehmen lädt sie ein zu Diskussionen in den verschiedenen sozialen Medien. Was sich Holger Mayer dabei wünscht: eine Überwindung alter Grabenkämpfe, einen unvoreingenommenen Dialog, der nicht „moralisiert", sondern um praktische Lösungen bemüht ist.

TAGS: Aktion

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